Wäre das nicht der perfekte Stoff für eine wahrhaft zeitgenössische Oper? Ein islamischer Fanatiker sperrt junge Männer in ein künstliches Paradies, verwöhnt sie mit Drogen, Frauen, edlen Speisen, weist sie ein in Wissenschaft und Waffentechnik und verspricht ihnen die ewige Fortführung dieses Glücks, wenn sie bedingungslos seinem mörderischen Willen gehorchen. Hassan-i Sabbah war der Erste, der um 1100 im Namen Gottes Selbstmordattentäter heranzog. Osama bin Laden beruft sich auf ihn, doch die Geschichte des mittelalterlichen Assassinen-Führers berührt noch andere aktuelle Themen als die Gewaltbereitschaft im Islam: Fragen nach den Ideologien des Terrorismus kommen auf, nach einer Gerechtigkeit des Tötens, nach der Verführbarkeit der Jugend in ihrem Wunsch nach Wissen und Wahrheit.

Der österreichische Komponist Bernhard Lang aber konzentrierte sich in seiner dritten, soeben bei den Schwetzinger Festspielen uraufgeführten Assassinen-Oper Der Alte vom Berge auf etwas anderes: auf den theatralen Aspekt der Paradies-Inszenierung Hassans. Regisseur Georges Delnon zeigt sie auf der zauberisch von transparenten Vorhängen verhüllten Bühne des Rokokotheaters im Schwetzinger Schloss als Haschischrausch, Sexorgie und schwarze Messe und schrammt wohl zwangsläufig die Grenze zur Peinlichkeit. Eine Enttäuschung nach dem fulminanten Beginn in einem anderen Saal, in dem sich die Gruppe der künftigen Killer inmitten des Publikums zusammenfindet und einiges von ihrer Motivation deutlich werden lässt.

Bei aller Linearität der Erzählung blieb Lang auch diesmal seiner repetitiven Kompositionsmethode treu. Mithilfe von Loops und Endlosschleifen schuf er ein feingliedriges Klangnetz, das weder Richtung noch Zentrum zu kennen scheint. Beeindruckend präzise realisiert wurde es vom elektronisch unterstützten RSO Stuttgart unter Rolf Gupta und einem sechsköpfigen Solistenensemble um den dominierenden Countertenor Daniel Gloger.