Afrika ist reich – und gleichzeitig bitterarm. Einerseits besitzt der Kontinent eine Fülle von wertvollen Rohstoffen wie Erdöl, Gas und Kupfer, andererseits hungern die Menschen in vielen Ländern. Denn die Einnahmen aus dem Export versickern oft bei den korrupten Machthabern. Die Initiative Extractive Industries Transparency (EITI) will das ändern. Die Regierungen sollen freiwillig belegen, wie viel sie mit Rohstoffen verdienen, dass das Geld in den öffentlichen Haushalt geflossen ist und dass es zur Bekämpfung der Armut verwandt wurde. Neben afrikanischen machen auch Staaten aus Asien und Südamerika mit. Außerdem engagieren sich bei EITI zahlreiche Konzerne, die ebenfalls ihre Zahlen aus den betreffenden Ländern offenlegen. Zum Vorsitzenden der Initiative wurde Peter Eigen ernannt, der Gründer der renommierten Antikorruptionsorganisation Transparency International. Finanziert wird EITI unter anderem von der Gruppe der G8-Staaten. Bei deren Treffen vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm will Bundeskanzlerin Angela Merkel vorschlagen, die Entwicklungshilfe künftig auf gut regierte Länder zu konzentrieren.

DIE ZEIT: Einige afrikanische Staaten zählen zu den großen Erdöl-Exporteuren. Könnten sie ihre Entwicklung theoretisch selbst finanzieren?

Peter Eigen: Eigentlich ja. Nehmen wir das Beispiel Angola. Es war eines der Länder, die den Anstoß zu unserer Initiative gegeben haben. Die Angolaner nehmen Milliarden durch Ölexporte ein, aber rund vierzig Prozent tauchen gar nicht im Haushalt auf.

ZEIT: Inzwischen wurde Angola aus dem EITI-Prozess ausgeschlossen. Warum?

Eigen: Weil eine Reihe von Unternehmen, die mit uns zusammenarbeiteten und ihre Zahlungen offenlegten, auf den verstärkten Widerstand der Regierung stießen. Es wurde ihnen gedroht: Sie würden durch die Veröffentlichung von geheimen Zahlen gegen Vertraulichkeitsklauseln in Investitionsverträgen verstoßen und ihre Förderrechte gefährden.

ZEIT: Wie viele Staaten machen gegenwärtig bei der EITI-Initiative mit?

Eigen: Ungefähr zwanzig. Aber die Teilnahme ist ein langwieriger Prozess. Denn die Kandidaten müssen zunächst strenge Aufnahmekriterien erfüllen und werden dann von unabhängigen Gutachtern auf Herz und Nieren geprüft. Erst dann sind sie compliant, genügen also allen Anforderungen. Bislang gibt es noch keinen Staat, der diesen Status erreicht hat. Sie sind erst auf dem Weg dorthin.

ZEIT: Wer ist am weitesten?

Eigen: Aserbajdschan und Nigeria.

ZEIT: Ausgerechnet Nigeria?

Eigen: Präsident Olusegun Obasanjo hat durchgesetzt, dass die Ölförderzahlen aus dem Niger-Delta genau aufgeschlüsselt werden.

ZEIT: Obasanjo, dessen Partei die letzten Wahlen massiv gefälscht hat?

Eigen: Es war auch für mich sehr enttäuschend, dass dies geschehen ist. Dennoch bleibt es Obasanjos Verdienst, den Ölsektor transparenter gemacht zu haben. Man weiß jetzt, wer wie viel fördert und welche Anteile die Zentralregierung an die Bundesstaaten überweist.

ZEIT: Die wachsende Armut im ölreichen Niger-Delta legt den Schluss nahe, dass gar nichts zurückfließt.