Leipzig

Bislang hat sich der Mann mit Andeutungen begnügt und doch bereits ein ganzes Bundesland in Aufregung gestürzt. In Sachsen, behauptet der Frankfurter Publizist Jürgen Roth, habe sich "ein tiefer, korrupter, ja mafiöser Sumpf" ausgebreitet. Es geht um Bestechung, Kinderprostitution, dubiose Immobiliengeschäfte und immer wieder Amtsmissbrauch. Staatsanwälte, Richter und Politiker seien verwickelt.

Insbesondere Leipzig sei, Roth zufolge, eine Hochburg von Korruption und schmutzigen Immobiliendeals. " Alte SED-Seilschaften und ausgediente Beamte aus dem Westen" hätten hier ganze Arbeit geleistet.

Ganz uneigennützig ist Roths sparsame Informationspolitik nicht. In den kommenden Wochen soll sein Buch über die sächsischen Verhältnisse erscheinen, und der Wirbel im Vorfeld dürfte den Buchhandel beträchtlich beflügeln. Andererseits wäre es wohl zu kurz gegriffen, seine Andeutungen als Werbung in eigener Sache abzutun. Die parlamentarische Kontrollkommission des Landtags, das Innenministerium und die Dresdener Staatsanwaltschaft beschäftigen sich inzwischen mit den Vorwürfen was sie kaum täten, wenn sie offensichtlich unbegründet wären.

Woher bezieht Roth seine angeblichen Informationen? Nach eigenen Angaben hat er Akten des Verfassungsschutzes eingesehen. Ursprünglich hatten sie vernichtet werden sollen, weil sie nach Angaben von Datenschützern unbefugt gesammelte Informationen enthielten. Doch nach den ersten Zeitungsmeldungen entschied CDU-Innenminister Albrecht Buttolo anders - nun soll die Staatsanwaltschaft einen Großteil des Materials auswerten. Inzwischen wackelt der Stuhl des Verfassungsschutzchefs Rainer Stock, dem vorgeworfen wird, brisante Ermittlungsergebnisse zurückgehalten zu haben.

Bis zu 30 Hinweise bekomme er derzeit pro Tag, sagt Roth - demnach offenbaren sich Geprellte und Mitwisser in Sachsen lieber einem Journalisten statt der Polizei was angesichts seiner Behauptungen ja auch nicht weiter verwunderlich wäre.