ZEIT: Angesichts der hohen Steuereinnahmen könnte der Staat die Steuern senken und den Bürgern das Geld zurückgeben.

Steinbrück: Angesichts einer Staatsverschuldung von 1500 Milliarden Euro ist es meine erste Priorität, die Neuverschuldung auf null zu bringen und in den kommenden Jahren den Einstieg in die Entschuldung zu finden. Nur so bleibt der Staat handlungsfähig. Erst danach kann über Steuersenkungen geredet werden. Aber sparen allein reicht nicht: Wir werden nicht nur in diesem, sondern auch im kommenden Haushalt Geld für zusätzliche Investitionen bereitstellen, um auch Impulse für Wachstum und Beschäftigung zu setzen.

ZEIT: Die Koalition plant einen neuen Betreuungszuschuss von 150 Euro pro Monat für Eltern, die sich um ihr Kind zu Hause selbst kümmern.

Was macht die Regierung so sicher, dass dieses Geld auch für die Kinder verwendet wird?

Steinbrück: Es gibt keine derartige Festlegung aus dem Koalitionsausschuss. Es gibt einen Prüfauftrag. Um auf Ihre Frage zu kommen: Ich habe sie auch den Unionskollegen gestellt. Was geschieht, wenn das Geld für den nächsten DVD-Player oder anderen Konsum ausgegeben wird? Die Antwort war: "Herr Steinbrück, wir haben ein positiveres Menschenbild als Sie." Ich bezweifle, ob dieses Menschenbild die Zielerreichung fördert.

ZEIT: Wie passt dieser Zuschuss überhaupt zum Regierungsziel, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern?

Steinbrück: Aus Sicht der Union soll er die Wahlfreiheit fördern. Das sehe ich kritisch, denn er scheint mir geradezu eine Prämie für Frauen zu sein, die ihrem Beruf fernbleiben und das, obwohl wir in wenigen Jahren wahrscheinlich eine Qualifikationslücke haben und die Frauen brauchen werden, um innovationsfähig zu bleiben.

ZEIT: Sie klingen, als hätten Sie beim letzten Koalitionsausschuss nicht dabeigesessen.