Steinbrück: Nein, ich klinge so, wie man nach einem Koalitionsausschuss klingt, in dem die beiden großen Volksparteien miteinander um Lösungen ringen. Von durchaus unterschiedlichen Überzeugungen aus. Das Familienministerium hat zu gegebener Zeit zu prüfen, ob ein Erziehungszuschlag ab 2013 eingeführt werden soll.

Dabei wird auch zu bedenken sein, dass heute schon das Kindergeld und das Ehegattensplitting Paaren helfen, ihre Kinder zu Hause zu betreuen.

ZEIT: Während sich in der Familienpolitik etwas bewegt, werden die Reformen von Arbeitsmarkt oder Pflege ständig verschoben. Gerade Sie fordern vom Bürger mehr Anstrengungen. Müsste sich nicht auch die Regierung mehr anstrengen?

Steinbrück: Ich will Ihnen nicht grundsätzlich widersprechen, nur weil ich Mitglied dieser Regierung bin. Insgesamt ist unsere Bilanz aber nicht so schlecht und auch das Tempo nicht. Die Unternehmenssteuerreform ist im Zeitplan, der erste Teil der Föderalismusreform ist verabschiedet, dito die Gesundheitsreform, und beim Schließen von Steuerschlupflöchern sind wir gut vorangekommen.

Die Pflegereform ist deshalb so schwierig, weil die Meinungen weit auseinanderliegen: Brauchen wir zum Beispiel zusätzliche Rücklagen, also Kapitaldeckung, oder müssen die Beiträge angehoben werden? Für mich steht fest: Es wird keine Zuschüsse aus dem Haushalt geben.

ZEIT: Also steigen wohl die Beiträge, da die Regierung gleichzeitig Leistungen ausweiten will. Wo ist Ihr Ehrgeiz, die Lohnnebenkosten zu senken?

Steinbrück: Ich bitte doch mal eins zur Kenntnis zu nehmen: Die Beiträge sind niedriger als 1998! Schon die rot-grüne Regierung hat also erfolgreich die Beiträge gesenkt. Die Große Koalition verfolgt dasselbe Ziel. Selbst wenn die Abgaben für die Pflege steigen sollten, stehen die Perspektiven sehr günstig, dass dies durch sinkende Beiträge bei der Arbeitslosen- und bei der Rentenversicherung mehr als ausgeglichen werden könnte.

ZEIT: Sie bleiben unter Ihren Möglichkeiten: Statt den Arbeitslosenbeitrag stark zu senken, wollen Sie, Herr Steinbrück, das Geld in die Krankenversicherung schleusen.