Steinbrück: Eine direkte Weiterleitung funktioniert schon rechtlich nicht. Richtig ist: Die Bundesagentur für Arbeit hat in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich vier Milliarden Euro vom Bund bekommen, also insgesamt fast vierzig Milliarden. Stellen Sie sich vor, das wäre ein Darlehen gewesen, das jetzt an den Bund zurückzuzahlen wäre wie gut würde der Haushalt heute aussehen!

Andererseits will die Koalition mittelfristig 19 Milliarden Euro Steuerzuschüsse an die gesetzliche Krankenversicherung zahlen, was dort hilft, die Beiträge niedrig zu halten. Da ist es doch nicht unsittlich, die Überschussentwicklung der Bundesagentur, die auch durch einen Punkt aus der Mehrwertsteuererhöhung gefördert wird, nicht aus den Augen zu verlieren.

ZEIT: Beim Arbeitskampf der Telekom stehen Sie als Großaktionär zwischen den Fronten. Der Sozialdemokrat Steinbrück müsste Verständnis für die Arbeitnehmer haben, der Finanzminister Steinbrück aber profitiert womöglich von einem harten Kurs des Managements, der die Aktie hochtreibt und damit auch die Privatisierungserlöse des Bundes.

Steinbrück: Das ist eine Aktiengesellschaft, also ist der Vorstand operativ verantwortlich, und der muss zusammen mit den Gewerkschaften den Konflikt lösen. Die Politik wäre sehr schlecht beraten, in so einer Situation mit Interviews für Verwirrung zu sorgen.

ZEIT: Vergangene Woche haben Sie gleichwohl mit beiden Seiten Gespräche geführt.

Steinbrück: Der Anteilseigner hat sich von beiden Seiten informieren lassen. Ansonsten: Kein Kommentar.

ZEIT: An diesem Freitag soll die Unternehmens- steuerreform durch den Bundestag. Mit wie vielen Gegenstimmen aus der eigenen Partei rechnen Sie?

Steinbrück: Es wird eine deutliche Mehrheit geben mit einigen Gegenstimmen, wie bei anderen Themen auch.