ZEIT: Die SPD-Parteilinke wettert gegen die geplante Milliardenentlastung der Unternehmen. Warum senken Sie den Steuersatz für Konzerne auf 15 Prozent, wo doch im Wahlprogramm der SPD noch von 19 Prozent die Rede war?

Steinbrück: So isoliert kann man das nicht sehen. Mit dieser Reform landen wir insgesamt, also inklusive der Gewerbesteuer, bei einem Steuersatz für Kapitalgesellschaften von 29,8 Prozent. Wir wollten unbedingt unter 30 Prozent kommen.

ZEIT: Ihren parteiinternen Kritikern haben Sie die Steuersenkung als "zutiefst sozialdemokratisch" verkauft, weil gleichzeitig Steuerschlupflöcher gestopft werden sollen. Und wenn die Unternehmen längst neue Lücken entdeckt haben?

Steinbrück: Das versuchen die Unternehmen immer. Aber der Widerstand, den es gegen diese Reform vonseiten der Unternehmen gegeben hat, ist ein kleines Indiz dafür, dass wir da einen Punkt gemacht haben. Wir werden die Steuervermeidung minimieren. Ganz unterbinden werden wir sie nie.

ZEIT: Vom kommenden Jahr an sollen Zinsen und Dividenden pauschal mit 25 Prozent besteuert werden. Ist es gerecht, wenn jemand, der auf Kapitalgewinne setzt also auf leistungsloses Einkommen , weniger Steuern zahlt als der durchschnittliche Lohn- und Gehaltsempfänger?

Steinbrück: Ich weiß, dass das problematisch ist. Allerdings fließt Kapital in exponenziell wachsenden Mengen aus Deutschland ab. Wir verlieren Steuereinnahmen! Da ist es mir lieber, 25 Prozent auf x zu bekommen als 42 Prozent auf gar nix.

ZEIT: Sie teilen also die Kritik an der Abgeltungs-steuer und sagen gleichzeitig, man kommt nicht drum herum? Damit machen Sie es sich leicht.

Steinbrück: Ich lebe doch nicht auf Wolke sieben. Allein mit guter Gesinnung löse ich kein Problem. Der Kapitalabfluss findet doch de facto statt. Also muss ich pragmatisch nach einer Lösung suchen, wie ich dem entgegenwirken kann.