Bauern machen alles so wie immer, aber Lakshmi probiert auch mal Neues aus. " Kommen Sie mit?" Die stattliche Frau im leuchtend blauen Sari geht voraus durch ihr Dorf im indischen Bundesstaat Rajasthan, vorbei an Lehmhütten und Kühen, die träge wiederkäuen. Im Hof ihres Hauses präsentiert die Bäuerin dann ihre Biogasanlage: einen Kessel im Boden, darin vergären Kuhmist und Senfstroh, das sonst ungenutzt bliebe.

Wie fast zwei Drittel der Inder sind die Bewohner von Chak Choba beim Energiebedarf einzig auf Dung und Holz angewiesen. Aber beides zu sammeln kostet nicht nur Mühe - das Brennmaterial wird auch ineffizient genutzt, und die Schadstoffe aus offenem Feuer bescheren 24 Millionen Indern chronische Erkrankungen der Atemwege. Mit dem Biogas nun muss Lakshmi ihren Dhal, das indische Linsengericht, nicht mehr im Rauch zubereiten. Und der Kuhmist werde mehrfach genutzt, sagt sie. " Nach der Entgasung bleibt ein besonders fruchtbarer Dünger übrig."

Auch sonst zeigt die Bäuerin Experimentierfreude. Hunderte Jatrophasträucher hat sie angepflanzt, rund um ihr Feld, also ohne dem Weizen Ackerfläche zu rauben. Aus der Frucht des Gewächses lässt sich ein Öl zur Herstellung von Biotreibstoff pressen. Den Sprit können die Dorfbewohner zukünftig selber nutzen, etwa für Bewässerungspumpen.

Aber Rajasthans Regierung fördert auch einen Markt für Treibstoff aus Jatropha, um Erdöl zu ersetzen. Lakshmi hofft "auf ein gutes Zusatzeinkommen".

Vorreiterinnen wie sie sind Gold wert für Initiativen wie die des Ehepaars Myles aus Delhi: Raymonds Organisation Inseda entwickelt ökologisch verträgliche Energielösungen für Arme - Zareens Frauengruppe hilft bei der Finanzierung durch Mikrokredite. Und mit Erneuerbaren Energien schaffen die beiden auch Arbeit. Für die Biogasanlagen aus Zement etwa, die Myles entwickelt hat, muss man erst ein kuppelartiges Gerüst aus gespaltenen Bambusstäben flechten. Das machen landlose Tagelöhner aus Lakshmis Nachbardorf.

Bei Nihal Singh geht es schon mehr in Richtung Hightech. Für rund 90 Euro hat sich der hagere Bauer eine Solarlampe geleistet. Bezahlt wird in Raten, immer nach der Ernte. Endlich müsse sein Sohn abends nicht mehr bei Kerosinfunzeln lernen: "Bildung ist doch das Wichtigste für seine Zukunft." Singh ist eigentlich ans Netz angeschlossen, doch darauf, dass Strom fließt, könne man sich nicht verlassen, sagt er.

Aber hat nicht die Regierung in Delhi angekündigt, bis 2012 auch das letzte Dorf zu elektrifizieren? Raymond Myles ist skeptisch: "Die versprochenen Ingenieure sind schon so oft nicht eingetroffen."

Einfache, dezentrale Energielösungen gingen schneller und seien ohnehin die Zukunft.

Auch größere Fotovoltaikanlagen plant Myles in manchen Dörfern. Früher sei er skeptisch gewesen, sagt er, weil die Solarpanels noch so teuer seien. " Jetzt hat mich die Verbindung aus Mikrokrediten, Arbeitsbeschaffung und Energieversorgung überzeugt." Mit Hilfe des Sonnenstroms ließen sich viele Kleingewerbe aufbauen.

Aber erfordert die Entwicklung auf dem Land nicht Projekte in einem größeren Stil wie etwa Kraftwerke und Fabriken? Wer 100 Stufen emporklettern wolle, sagt Raymond Myles, der müsse mit der ersten anfangen. Außerdem: "Als Bauer unabhängig und in Würde ein bisschen besser leben zu können das bedeutet in Indien schon sehr viel."