Schade. Denn eine nicht gehaltene Rede des Bundespräsidenten hätte etwa so lauten können:

Liebes Volk! Es stimmt, wir haben so ziemlich jeden Naziverbrecher begnadigt, der auch nur drei Minuten lang Reue heuchelte. Die karrieregeilen Opportunisten haben wir diskret integriert und von "tragischen Konflikten" geraunt. Denn wir Konservativen wissen: Der Mensch ist fehlbar. Sie waren ja schließlich nicht nur Geschäftspartner, bei denen man mal ein Auge zudrückt, wenn sie etwas über die Stränge schlagen. Sie waren Fleisch von unserem Fleisch, mehr noch: Sie waren wir. Die Verbrechen der RAF waren fürchterlich. Aber die RAF ist tot. Als Christ und Vertreter eines zutiefst schuldig gewordenen Volkes und einer moralisch tauben, raffgierigen "Elite" weiß ich: Das Böse ist in uns. Auch wenn wir selber keine Gnade verdienen, sondern nur erhoffen können, können wir sie doch gewähren.

Dieses Privileg meines Amtes nehme ich gern wahr.

Sankt-Nimmerleins-Tag, Präsidialamt, H. K.

Christoph Denstaedt, Berlin