Fulda

Am Dienstag gab es Fischfilet auf Station 3b. " Natürlich nicht so gut wie im Restaurant", sagt Patient Franz Stelzer, "aber man konnte es essen." Wie er reden derzeit alle Patienten und Mitarbeiter über das Essen im Klinikum Fulda, in einem der größten Krankenhäuser Hessens, das eine "Maximalversorgung" für rund eine halbe Million Menschen in seinem Einzugsbereich gewährleistet. Rund 100000 Patienten nahmen die medizinischen Dienste der Klinik im vergangenen Jahr in Anspruch, 36000 davon als stationäre Patienten. Das Haus hat 2500 Mitarbeiter und einen Jahresetat von 170 Millionen Euro. Einzelne Fachkliniken sind weit über Hessen hinaus bekannt, bislang vor allem für medizinische Spitzenleistungen. Auch Patient Stelzer kam aus dem 300 Kilometer entfernten Reutlingen (Baden-Württemberg) extra angereist, um sich hier behandeln zu lassen.

Der gute Ruf des Klinikums endete vorläufig am 29. April dieses Jahres. Bei einem Herzpatienten, der unter starkem Durchfall litt, wurden Salmonellen nachgewiesen. In den folgenden Tagen erhöhte sich die Zahl der Erkrankungen täglich. Am 3. Mai waren bereits 33 Patienten und 17 Mitarbeiter mit dem gefährlichen Bakterium infiziert.

Während im Krankenhaus hektisch nach der Erregerquelle gefahndet wurde, gab sich die Klinikleitung gelassen. " Grillzeit ist Salmonellenzeit", teilte der Direktor der Medizinischen Klinik mit, Professor Daniel Jaspersen, und Klinikchef Claus-Dieter Schad versicherte: "Wir haben die Situation im Griff." Anschließend flog Schad in den Urlaub nach Griechenland.

Wenig später wurden aus einem von der Krankenhausküche belieferten Altenheim die ersten Infektionen gemeldet. " Reiner Zufall", hieß es aus der Klinikleitung. Und: Die Küche des Krankenhauses sei "als Verbreitungsherd ausgeschlossen". Da war das erste Opfer, eine 73-jährige Dialysepatientin, schon tot. Acht Todesopfer sind inzwischen zu beklagen, mehr als 260 Menschen Patienten und Krankenhausmitarbeiter haben sich infiziert. Derweil macht der Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikums, der Fuldaer Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU), mit Blick auf die Haftungsfolgen durch eine feinsinnige Unterscheidung von sich reden. Die Patienten seien "nicht an, sondern mit Salmonellen gestorben". Die Epidemie bezeichnete er als "eine schicksalhafte Heimsuchung".

"Die Patienten sind nicht an, sondern mit Salmonellen gestorben"

Seit Dienstag ist die Ursache der Infektion bekannt: verdorbenes Essen aus der Küche des Krankenhauses. Durch ein Dessert Apfelmus mit Sahne aus der Kantine für die Krankenhausmitarbeiter soll sich der Erreger im ganzen Haus in zwei großen Wellen verbreitet haben.