Ein Jahr später erscheint ihr erstes Gedicht.

Der Machtantritt der Nazis beendet ihre Karriere nicht gleich. 1934 kann noch ein Kleines Lesebuch für Große erscheinen. Seit 1935 ist sie mit dem Dirigenten und Musikwissenschaftler Chemjo Vinaver zusammen, mit ihm hat sie einen Sohn, sie entschließen sich erst im letzten Moment zur Flucht und kommen im September 1938 nach New York. Jahre herrscht große finanzielle Not. Um alle Alltagsprobleme kümmert sich Kaléko. Für Gedichte bleibt kaum Zeit. Dunkler, resignierter ist nun der Ton: "Wie hass ich euch, die mich den Hass gelehrt." Ihr Humor ringt aber auch der Exilsituation Komisches ab: "Wenn unsereins se lengvitsch spricht, / so geht er wie auf Eiern. / Der Satzbau wackelt, und die grammar hinkt, / Und wenn ihm ein ti ehtsch gelingt, / Das ist ein Grund zum Feiern." 1944 werden die drei Amerikaner.

Obwohl nach Kriegsende Anfragen aus Deutschland kommen, will sie dort erst einmal nicht gedruckt werden. Erst 1956 wagt sie einen Neuanfang und reist über den Atlantik. Überall, wo sie auftritt, ehrt, ja feiert man sie. Dabei spricht sie offen über den Mord an den Juden, was Eindruck macht. Eine Rückkehr kann sie sich nicht vorstellen.

Rowohlt will die Exilgedichte bringen, doch Lektor Wolfgang Weyrauch mäkelt 1957 an ihnen herum. Es ist nicht der letzte Ärger mit dem Verlag, der seine erfolgreiche Autorin später sogar ziehen lässt.

Als Kaléko Rowohlt verlässt, rechnet sie rasch mit Ersatz, doch sie findet lange keinen. Da wird ihr der Fontane-Preis 1959 zugesprochen.

Weil das Jury-Mitglied Hans Egon Holthusen vier Jahre bei der SS war, lehnt Kaléko ihn ab. Nie wieder wird ihr ein Preis angeboten.

Unglücklich verläuft ihr restliches Leben, zerquält von Krankheit, Einsamkeit und Isolation. Seit 1960 leben sie auf Wunsch ihres Mannes in Israel. Erfolgreiche Lesungen in Deutschland oder der Schweiz und bescheidene Bucherfolge helfen ihr nicht. Schicksalsschläge zerstören ihren Lebenswillen. 1968 stirbt ihr Sohn, 1973 ihr Mann. Nur vierzehn Monate später stirbt sie selbst in Zürich an Magenkrebs.