Das Wort in Gaza aber hatten die Alten, genauer: die Neuen von der Hamas, welche die Altvorderen – die Arafat-Erben, die Abbas-Loyalisten abservieren wollen – doch nicht im Sinne dieser friedensheischenden jungen Leute. Welch mörderische Ironie! Die Alten, Männer wie Jasser Abed Rabbo, Generalsekretär der Fatah, reden plötzlich in Petra vom Frieden, zumindest von der "Chance" dafür, hätten doch "die Araber nun zum ersten Mal gesagt: Wir sind bereit".

Diese alten Fatah-Kämpfer, im Terrorkrieg der Siebziger an die Macht und in die Pfründe gelangt, sind aber auf dem Weg ins palästinensische Politrentnertum. "Wir sind erledigt", seufzt ein Rabbo-Genosse, der nicht genannt werden will. "Wir haben kein Geld, Hamas wird mit 250 Millionen Dollar von Teheran unterstützt." Die Summe ist übertrieben, aber die Situation auf dem Schlachtfeld scheint dem Mann recht zu geben.

Ein israelischer Militär bestätigt den Eindruck. Hamas sei gerade dabei, "ihre militärische Überlegenheit über die Fatah zu demonstrieren". Ein Sprecher der Kassam-Brigaden (der Hamas-Armee) tönt: "Wir waren vorbereitet auf diese Lage"; wir können "an verschiedenen Fronten und gegen mehr als einen Feind kämpfen" – sprich: gegen Israel und die Abbas-Getreuen zugleich. Der Fatah-Oberst Maher Faris sagt’s ganz lapidar: "Unsere Leute haben nicht gut gekämpft." Sie seien davongelaufen, hätten gar kapituliert.

Die Nobelpreisträger in Petra appellierten derweil an die Vernunft, an die Früchte der Friedfertigkeit – wie es sich für die Klügsten der Klugen gehört. Aber wie schrieb schon Freud in seinem berühmten Briefwechsel Warum Krieg? mit Einstein? Wunderbar wäre eine menschliche Gemeinschaft, die ihre instinktiven Reflexe der "Diktatur der Vernunft" unterwerfe. Dies aber sei eine "utopische Erwartung". Und Politik sei eben komplizierter als Physik.

Hamas gehorcht einer anderen "Vernunft" – der Räson der Macht. In diesem Binnenkrieg hat sie die Kräfte mit der Fatah gemessen und nach Punkten gewonnen; ein K.o. ist derzeit auch nicht nötig. Vorteil eins: Hamas hat die Israelis in einen De-facto-Bund mit dem alten Regime gezwungen, hat doch die israelische Luftwaffe nicht nur Hamas-Stellungen attackiert, sondern auch der maroden Fatah Feuerschutz gewährt und sie so als Zionisten-Freunde diskreditiert. Vorteil zwei: Die Israelis sind verunsichert. Sie lecken noch ihre Wunden aus dem Libanonkrieg 2006 und scheuen trotz grimmiger Drohungen (Olmert verspricht eine "harte und heftige Antwort") den Wiedereinmarsch in Gaza. Ein Vertrauter des Generalstabschefs Ashkenasi resümiert: "Er weiß, dass ein klarer Sieg in Gaza nicht zu holen ist." Im Strategiejargon heißt das "Selbst-Abschreckung".

Der israelische BWL-Student Assaf Wahrhaft beteuert unterdessen wie seine 16 jungen Kollegen: "Wir sind alle hier, um zu zeigen, dass wir alle Frieden wollen." Und Schimon Peres, im Nebenberuf Vizepremier, im Hauptberuf Zitate-Produzent, witzelt: "Der saudische Friedensplan ist die beste Musik, die wir seit hundert Jahren gehört haben. Bloß fehlt noch das Orchester" – sprich: Wo sind unsere Partner in der arabischen Welt?