Welch große Symbole für solch ein kleines Land! Bremen trägt nun Rot-Grün, die Farben der vergangenen, der fast schon vergessenen Ära Schröder und Fischer. Zugleich richtet sich eine neue knallrote Partei in der Bürgerschaft ein, die politischen Erben jenes links-reaktionären Volkszorns, der den roten Reformkanzler und seinen grünen Außenminister aus dem Amt trieb.

Traurig und komisch zugleich ist das Spektakel des Bremer Farbwechsels, weil er Wandel vortäuscht, wo sich nichts ändern wird und kann. Zwei Faktoren haben Bremens Politik bestimmt und werden sie weiter bestimmen: die leeren Kassen des Landes und die SPD, die sie verwaltet und im Fall eines Konfliktes mit dem jeweiligen Koalitionspartner jederzeit den Partner austauschen kann. Mit den Grünen werden sich die Roten etwas länger um die Weservertiefung streiten müssen als mit der CDU - mit jener hätten sie länger über neue Stellen im Polizeidienst sprechen müssen als nun mit den Grünen.

Gewöhnlich verständigt man sich am Ende auf die Position der SPD schon lassen die Bremer Grünen wissen, dass gravierende Umweltprobleme bei der Weservertiefung aus ihrer Sicht "nicht zu erwarten" seien.

Neu ist, dass in Zukunft gleich zwei Oppositionsströmungen dieses Polittheater aufs Grundsätzlichste attackieren und den Eindruck erwecken werden, dass es wirkliche Alternativen gebe was die rot-grüne Landesregierung automatisch zur Koalition der Mitte macht und zusätzlich stabilisieren dürfte. Wiedervorlage in vier Jahren.