Es war ein besonderer Tag für mich, als ich für Richard Avedon gebucht wurde. Ich war sehr aufgeregt, als ich in sein Studio in New York ging, schließlich war er der größte Modefotograf und hatte gerade einen Vertrag mit der amerikanischen Vogue abgeschlossen. Das Foto ist aus dem Jahr 1966, es war der Beginn einer intensiven Zusammenarbeit.

Haare und Make-up habe ich selbst gemacht, damals gab es nur ganz selten Make-up-Artisten wie heute. Den grünen Plastikbikini habe ich vermutlich auch selbst mitgebracht. Keine Ahnung, woher ich den hatte, jedenfalls kann er nicht teuer gewesen sein, kein Designerstück, denn ich war damals ja noch ein Model unter vielen.

Der große Erfolg kam dann ein Jahr später mit Michelangelo Antonionis Film Blow-up, der auf den Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme gewann. Zwar tauchte ich nur in zwei Szenen auf, ich räkelte mich auf dem Boden aber das machte mich weltberühmt. Leider war ich in Cannes nicht dabei, weil mein damaliger Lebensgefährte Franco Rubartelli das nicht wollte. Er war selbst ein hervorragender Fotograf, wir arbeiteten viel zusammen, er war aber auch sehr eifersüchtig. Wenn ich mit Avedon arbeitete, rief Rubartelli manchmal an und fragte: Wann ist Vera fertig?

Avedon hat mich einmal die schönste Frau der Welt genannt. Obwohl ich natürlich weiß, dass es so was nicht gibt, fühlte ich mich sehr geschmeichelt. Vielleicht hat ihm das ein wenig Ärger eingebracht, weil er ja auch die schönsten und berühmtesten Stars der Filmwelt fotografierte. Avedon nannte mich Veruschka, wie alle damals. Ich verwendete diese Figur für meine Arbeit. Meine Familie nannte mich weiterhin Vera, außer Marion Dönhoff, meiner Patentante. Für sie war ich Veruschka.

Aufgezeichnet von Annabel Wahba