Bemerkenswert, wie reibungslos das wieder ging. Zum Redaktionsschluss war zwar noch kein Nachfolger für den geschassten Weltbank-Präsidenten Paul Wolfowitz gefunden, das Wesentliche aber trotzdem besprochen: Die Amerikaner entscheiden diese Personalangelegenheit. " Wir unterstützen die US-Regierung", war schon vergangene Woche aus dem deutschen Exekutivdirektorium bei der Weltbank zu hören, und so ähnlich haben es auch die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und die Vertreter anderer europäischer Regierungen gesagt.

Kein Wunder, oder? Die Amerikaner haben immer schon über den Präsidenten der Weltbank entschieden. Dieses Recht gehört zu einem komplexen Geflecht informeller Abmachungen, mit denen Washington, Brüssel und sogar Tokyo ihre Hegemonie über die multilateralen Institutionen sichern. Die Europäer zum Beispiel stellen als Ausgleich den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Doch inzwischen ist diese Kultur des Postenschachers zu einer wesentlichen Bedrohung für die Zukunft der Weltbank geworden. Die Besetzung ihrer Spitze ist nämlich nur das sichtbarste Zeichen dafür, dass die USA bei der Institution das Sagen haben mit Billigung der restlichen Industrienationen. So halten die hoch entwickelten G7-Länder etwa die Hälfte der Stimmrechte bei der Bank. Und besonders wichtig ist die Stimme der USA. Die haben nämlich als einziges Land eine Sperrminorität, wo immer es um wichtige Entscheidungen geht.

Europa muss für ein solches Veto schon Deutschland, Frankreich und Großbritannien unter einen Hut bekommen. Im Vergleich dazu können die bevölkerungs- und wirtschaftsstarken Aufsteigernationen China, Indien und Brasilien nicht einmal vereint Entscheidungen blockieren.

Solche Betrachtungen über formale Machtrelationen spielen den wahren Einfluss noch herunter. Wer von der Weltbank Geld erhält und wer nicht, wird ja nicht in Kampfabstimmungen geklärt, sondern in einer Fülle von Abstimmungen im Vorfeld. Deshalb hatte John Maynard Keynes schon bei der Gründung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds gemahnt, sie sollten doch lieber in New York statt Washington untergebracht werden. Dann könnten US-Ministerien die beiden Institutionen nicht so leicht zu einem verlängerten Arm ihrer Interessen machen. Es kam anders.

Zudem sind heute gut 20 Prozent der Weltbank-Beschäftigten US-Bürger, und auch viele Angehörige anderer Nationen wurden an angloamerikanischen Universitäten ausgebildet. Und je höher die Hierarchieebene, desto "politischer" fallen die Besetzungen aus, wobei dann wiederum die USA obsiegen.

Tatsächlich ist über die Jahre eine Fülle von Studien erschienen, die hinter den Kreditentscheidungen der Institution Eigeninteressen der USA ausmachen. Manchmal standen diese sogar in den Programmen der Weltbank, etwa als es um die Bekämpfung des Kommunismus oder die Opec ging.