Andere Male zeigten sich solche Interessen in Merkwürdigkeiten, wie sie die Forscherin Catherine Gwin im Auftrag der Weltbank selbst zusammentrug: Die Hilfen für die Südvietnamesen in den 1960er Jahren, das Aussetzen von Krediten für die chilenische Allende-Regierung in den 1970er Jahren, die Verweigerung von Hilfe für die nicaraguanischen Sandinisten in den 1980er Jahren. Zwar wurden diese negativen Kreditbescheide anders begründet, etwa mit geplatzten Darlehen aus früheren Jahren oder einer unzuverlässigen Wirtschaftspolitik. Doch solche Gründe hätten sich auch in vielen anderen Ländern finden lassen.

Erst 2004 sprachen die Ökonomen Riccardo Faini und Enzo Grilli von einer "dominanten Rolle" der USA, wenn die Kriterien für Kreditentscheidungen festgelegt würden, und 2001 schrieben ihre Kollegen Robert Fleck und Christopher Kilby, dass "Länder mit starken Handelsverbindungen mit den USA einen signifikant größeren Anteil an Weltbankkrediten" erhielten. Und "Länder, die bilaterale Entwicklungshilfe aus den USA bekamen, konnten sich ebenfalls über einen überproportionalen Anteil von Weltbankhilfen freuen".

Zuletzt sorgte Druck aus der US-Regierung nach der Besetzung des Iraks dafür, dass die Washingtoner Institutionen mithalfen, Kredite für den dortigen Wiederaufbau zu organisieren. Als dann 2005 mit Wolfowitz ein Vordenker dieses Krieges an die Spitze der Weltbank wechselte, sahen einige Kritiker ihre schlimmsten Befürchtungen wahr werden. Wolfowitz brachte zwar einige gute Ideen mit, darunter mehr Hilfe für Afrika und manche großen Infrastrukturprojekte. Er mochte aber kaum auf die Experten im Haus hören und verschanzte sich hinter Beratern, die er aus der US-Regierung mitgebracht hatte. Sein Steckenpferd, die Korruption in Entwicklungsländern zu bekämpfen, kam anfangs gut an bis seine konkreten Prioritäten für die Abstrafung von Ländern allzu gut mit geopolitischen Interessen der US-Regierung zu harmonieren schienen.

All diese Einflussnahme der USA wäre halb so problematisch, wenn amerikanische Regierungen damit eine nachdrückliche Entwicklungspolitik vorangetrieben hätten. Doch die blieb aus.

Auffällig blieb über die Jahrzehnte, dass Weltbankhilfen für das arme Afrika südlich der Sahara unterrepräsentiert blieben. Lateinamerika hingegen, für die USA interessanter, erhielt auch von der Weltbank mehr. " Hinter den Kulissen waren die USA die größte Bremse, wenn es um mehr Mittel für arme Länder geht", schimpfte der New Yorker Ökonom Jeffrey Sachs 2005, als Paul Wolfowitz gerade sein Amt antrat. " Die USA nehmen sich heraus, die Bank zu leiten, es aber so billig wie möglich zu tun."

All das hat über die Jahre den Bedeutungsverlust der Weltbank stärker vorangetrieben, als es jetzt der persönliche Skandal um Wolfowitz vermag. Manche asiatische und lateinamerikanische Regierung fordert noch nach außen mehr Mitsprache bei Entscheidungen der Weltbank, sinnt aber zugleich schon mit anderen Ländern über Alternativen nach. China betreibt Entwicklungshilfe für Afrika, und Lateinamerika, Venezuela und Brasilien diskutieren über eine neue Entwicklungsbank des Südens, in Asien gibt es ähnliche Pläne.

Da ist noch jene andere Entwicklung, die bereits der zweite Weltbankpräsident John McCloy vorhergesehen hatte: dass "die Bank bald schließen wird, weil das langfristige Kapital für die Entwicklung eines Tages direkt von privaten Investoren bereitgestellt wird". So weit ist es noch nicht in allen Regionen der Welt, aber Weltbankkredite haben im Vergleich zu privaten Mitteln längst nicht mehr die Bedeutung wie früher. Die Bank sieht sich daher zunehmend als eine Beratungsinstitution. Berater aber leben von ihrem Ansehen und ihrem Ruf, unabhängig zu sein.