Ein Mann mit "hohem internationalen Renommee", "ein sehr guter Kandidat", "charakterstark" positiv klingen die Urteile von Aufsichtsrat, Aktionärsvertretern und Analysten über den neuen Vorstandschef von Siemens. Bis Sonntag war Peter Löscher nur wenigen ein Begriff, doch erwarten Beobachter jetzt, dass er den Saustall in München "mit eisernem Besen" ausfegt und den Konzern "in ruhigere Wasser" führen kann.

Ähnlich hohe Erwartungen sollten schon andere erfüllen. Kai-Uwe Ricke bei der Deutschen Telekom etwa, Bernd Pischetsrieder bei VW, Harry Roels bei RWE. Und, genau, auch Klaus Kleinfeld bei Siemens. Sie alle waren erst vor wenigen Jahren mit solchen Vorschusslorbeeren angetreten, einige lieferten sogar gute Zahlen ab doch keiner konnte sich lange halten. Der Druck auf Deutschlands Spitzenmanager steigt.

Ende der neunziger Jahre lag die durchschnittliche Verweildauer eines Vorstandschefs noch bei 8,3 Jahren, heute sind es nur noch 4,7. Damit gehen deutsche Chefs schneller als ihre europäischen Kollegen, wie eine neue Studie der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton belegt.

Danach betrug die mittlere Amtszeit in Europa immerhin 5,7 Jahre, die globale gar 7,8 Jahre. " Hier ist der Begriff Hektik durchaus angebracht", sagt Klaus-Peter Gushurst, Seniorpartner bei Booz Allen Hamilton. " Nehmen Sie Löscher. Die Leute erwarten von ihm spätestens Anfang August eine Aussage, wohin bei Siemens die Reise geht. Das ist Wahnsinn. Allein bis er die 30 wichtigsten Führungskräfte kennengelernt hat, vergehen schon zehn Tage."

Der steigende Druck hat viele Gründe: mehr Übernahmen, strengere Aufsichtsräte, unerbittliche Investoren bis hin zu renditehungrigen Hedgefonds. Auch wenn Deutschland vorauseilt, liegt es doch im Trend.

Konsensorientiertes Denken weicht vielerorts einer neuen Diskussions- und Streitkultur. Im vergangenen Jahr mussten bei 14,3 Prozent der mehr als 2500 von Booz Allen Hamilton untersuchten börsennotierten Großunternehmen weltweit die Vorstandschefs ihren Hut nehmen.

Kolumnist Alan Murray vom Wall Street Journal spricht in seinem demnächst erscheinenden Buch Revolt in the Boardroom von einem "noch nie da gewesenen Aderlass" in den Topetagen. Mancher kommt bei Finanz-investoren unter, wie etwa Ex-VW-Manager Wolfgang Bernhard. Der Rest indes bevölkert, meist mit einer großzügigen Abfindung ausgestattet, den stetig wachsenden Markt für Topmanager.