ei der Bundestagswahl oder der Wahl der Sonnenbrille, im Großen wie im Kleinen: Der Mann versagt dort, wo die Frau triumphiert. Woran das wohl liegt? Zumindest bei der Suche nach der richtigen Sonnenbrille macht der Mann jeden Fehler, den es gibt weil er sich leiten lässt von einem falschen Selbstbild, das sich Männer gerne aus der Populärkultur zusammenschustern. Sonnenbrillenfilme wie Blues Brothers, Reservoir Dogs oder Oceans Eleven finden Männer aus Gründen, die nur Männern bekannt sind, cool. Und gern hätten sie ein wenig von der Coolness ihrer Filmhelden. Dabei hat noch keine Sonnenbrille aus einem Mann George Clooney gemacht. Eine Sonnenbrille macht auch aus einem Werbefuzzi keinen Kampfjetpiloten. Schließlich hat die Pilotenbrille ihren Namen nicht von ungefähr. Sie ist für Leute, die Flugzeuge steuern.

Das sind die Fehler, aber wie ist es richtig? Auch eine Sonnenbrille ist eine Brille. So wie man Fleisch beim Metzger und ein Buch im Buchladen kauft, muss man zum Optiker gehen, um das richtige Brillenmodell zu finden. Nicht ins Kino. Ein guter Optiker kennt sich aus mit dem richtigen Sitz des Gestells, dem Stand der Augen, der Beschaffenheit der Gläser. Vor allem verwechselt ein guter Optiker niemals das Modische mit dem Modernen.

Deshalb wird ein guter Optiker seinem Kunden zurzeit wohl ein großes Modell von Tom Ford zeigen oder die klassische Wayfarer von Ray Ban.

Damit kann einem nichts passieren, allerdings auch nichts Spektakuläres. Für die, die Eyewear prinzipiell affig finden, die bloß ihre Augen vor Sonne (oder Blitzlicht) schützen wollen, wird ein guter Optiker eine Brille parat haben, wie sie Jack Nicholson bei den Oscars trägt, zum Beispiel von Persol. Sportlichen Männern zeigt ein guter Optiker Modelle von Mosley Tribes, empfiehlt aber, zum Anzug ein anderes Modell auf die Nase zu setzen. Etwa eines von Oliver Peoples, das ohne Gedöns ist und einen Mann nicht wie das Opfer eines Modeverbrechens aussehen lässt.

Wenn man also einen guten Optiker gefunden hat, ist die Suche nach der perfekten Sonnenbrille nur noch ein Kinderspiel. Man muss nur ungefähr zwanzig Gestelle ausprobieren. Man muss Meinungen von Freunden ignorieren. Und man muss sich von der irrigen Annahme verabschieden, Männer könnten eh alles tragen und sich alles erlauben. Deshalb versagen sie so oft. Im Großen wie im Kleinen.