Alle wollen Gursky. Das Haus der Kunst in München musste sogar seine Öffnungszeiten verlängern, weil so viele Menschen in die große, gerade zu Ende gegangene Retrospektive seiner Monumentalfotos drängten.

Manche Besucher hätten am liebsten gleich eines der Bilder mit nach Hause genommen. Man konnte in München Paare beobachten, die sich darüber stritten, ob Gurskys Vogelperspektive auf ein Spargelfeld inklusive Spargelstechern nun an die heimische Wohnzimmerwand passe oder nicht es ging um die Größe. Doch selbst wenn die Wand groß genug wäre kaufen kann man einen Gursky ohnehin nicht. Oder jedenfalls nicht so ohne weiteres.

Erstens sind seine Bilder sehr teuer. Wer bei seinen Galeristinnen Monika Sprüth und Philomene Magers etwa sein Foto der Kuwaiter Börse kaufen möchte, der muss immerhin 500000 Euro zahlen. Zweitens: Gurskys sind sehr selten. Der Fotokünstler aus der Düsseldorfer Schule produziert nur wenige Werke im Jahr. Und von diesen Fotoarbeiten gibt es dann immer nur sechs Abzüge.

Wieso aber lässt Gursky nicht Hunderte oder gar Tausende Abzüge machen? Ist das nicht undemokratisch? Oder sogar gemein? Die Fotografie ist schließlich das klassische Medium der technischen Reproduzierbarkeit, Abzüge ließen sich im Zeitalter des Digitalen beliebig viele machen. Von der photographischen Platte, das wusste schon Walter Benjamin, ist eine Vielheit von Abzügen möglich - die Frage nach dem echten Abzug hat keinen Sinn.

Doch nur wer auf dem Kunstmarkt bei hoher Nachfrage das Angebot künstlich verknappt, kann einen höheren Preis verlangen das ist bei Gursky genauso wie bei vielen anderen Fotokünstlern. Ihre Arbeiten werden auf dem Kunstmarkt inzwischen wie die limitierten, durchnummerierten Auflagen von Grafiken gehandelt. Das ist eine Erfindung aus den siebziger Jahren, erklärt Simone Klein, Fotoexpertin bei Sothebys. Und hat wohl auch damit zu tun, dass sich die Fotografen etwas von der Kunstaura sichern möchten. Indem Gursky nur sechs Abzüge von seinen Motiven machen lässt, versucht er die durch die technische Produktionsweise bedingte Distanz zwischen dem Genie des Künstlers und dem fertigen Abzug zu verkleinern.

Und wieso macht er dann nicht gleich nur einen einzigen Abzug, ein Original? Weil es das Medium Fotografie erfordere, dass es das Bild nicht nur einmal gibt, würden einige Galeristen antworten. Weil Andreas Gursky seinen Unterhalt verdienen muss, sagen die anderen.