Ein Deutscher in Österreich: Der Mediziner Wolfgang Schönfeld, 51, lebt in Wien, weil ihm die Stadt die besten Bedingungen für den Aufbau seines Biotech-Unternehmen Eucodis bot

Nadeln im Heuhaufen. Ich hatte schon ein Jahr lang in ganz Europa versucht, einen Standort und eine Finanzierung für die Idee eines Biotechnologie-Unternehmens zu finden, als ich das Konzept erstmals in Wien vor Investoren präsentierte. Bald war mir klar, dass man hier das mit Abstand beste Paket für uns schnüren würde. Im Mai 2004 hat sich der Knoten gelöst. Kaum war Eucodis in Wien gelandet, wurde uns der erste Preis im Life Science Call des Austria Wirtschaftsservice zugesprochen. Das brachte uns Startkapital und Aufmerksamkeit. Bis dahin hatte uns niemand gekannt. Mit einem Schlag wusste die ganze Biotech-Szene, wer wir sind. Großartig. In derselben Woche haben unsere Forschungsleiterin und ihr Team den dritten Platz im Förderwettbewerb FemPower Vienna 2004 erreicht besser kann es ein junges Unternehmen nicht treffen.

Inzwischen haben wir 21 Mitarbeiter in Wien und wirtschaften gut. Aber unser Risiko ist beträchtlich: Eucodis entwickelt neue Dinge, von denen heute kein Mensch sagen kann, ob sie funktionieren werden. Wir konzentrieren uns auf rote und weiße Biotechnologie, also auf Pharmazeutika und Industrieenzyme. In einem Prozess, den wir directed evolution nennen, schaffen wir in fünf Wochen das, wofür die Evolution Millionen Jahre benötigt. Das Ergebnis sind dann vorläufig nur noch mehr Nadeln im Heuhaufen aber im Idealfall können wir eines Tages mit einem neuen Produkt auf den Markt gehen.

aufgezeichnet von Ernst Schmiederer