Was ist wichtig, wenn man eine Reisegruppe in Empfang nimmt?

Man muss daran denken, dass jeder Gast aus seiner eigenen Welt kommt und auf der Anreise stundenlang eingepfercht war. Bei der Ankunft sind die Leute erst mal etwas knatschig, und keiner kennt den anderen. Wenn dann noch ungünstige Nebeneffekte auftreten 37 Grad Hitze, sie sucht ihre Handtasche, er kann nicht mehr mit seinem künstlichen Hüftgelenk , dann muss man sehr schnell entlastend eingreifen. Für ältere Menschen zum Beispiel ist entscheidend, dass man sofort sagt, wo die Toiletten sind. Sonst fühlen die sich schon latent unwohl. Ich achte auch immer darauf, so zu stehen, dass die Gäste mir in die Augen sehen können. Wenn man sie dann noch anlächelt, überträgt sich das sofort auf die Stimmung und schafft das nötige Vertrauen, um sich in die Fremde zu wagen.

Wie verändern sich Menschen unterwegs?

Zum größten Teil öffnen sie sich. Auch solche, die eher dazu neigen, in sich zu gehen. Am Ende der Reise fließen oft Tränen, wenn den Leuten bewusst wird, was sie alles gemeinsam erlebt haben. Es kommt nur ganz selten vor, dass jemand ungeselliger wird. Das ist dann zum Beispiel die Frau, die es gewohnt ist, dreimal am Tag zu duschen und sich vierundzwanzigmal die Hände zu waschen. Das ist unterwegs natürlich lästig. Da kann es passieren, dass die Frau sich regelrecht abschottet.

Welche Rolle spielt die Herkunft der Gäste?

2004 hatte ich einen Österreicher und einen Herrn aus Wolfsburg dabei.

Die waren bei den Mahlzeiten aneinander geraten. Der Wiener wollte unbedingt einen Tisch für sich allein haben. Er kam zehn Minuten zu spät und musste nun bei den Piefkes sitzen, bitt schön. Da kommt das Kindliche durch. Man muss in solchen Fällen ein bisschen ablenken. Ich sage dann: Wollen Sie später mit mir essen, und wir unterhalten uns ein wenig - oder möchten Sie es nicht doch mit den Leuten probieren?