Es ist viel Geld, das deutsche Anleger in der Hoffnung auf hohe Renditen derzeit in so exotische wie risikoreiche Märkte wie Vietnam oder Kroatien stecken. Teils investieren sie das Geld direkt in Aktien, der Großteil läuft aber indirekt über Vermögensverwalter, die auf den schnellen Gewinn spekulieren. Für die Entscheidung des Kleinanlegers fast noch wichtiger ist die Frage, in welches der zwei bevorzugten Anlageprodukte er investieren will: in Fonds oder in Zertifikate. Zwischen ihnen gibt es gravierende Unterschiede.

Da ist zunächst die Frage der Sicherheit: Während ein Fonds die angelegten Gelder in einem separaten Sondervermögen bündelt und so vor dem Konkurs geschützt ist, stellt ein Zertifikat letztlich eine Anleihe des Emittenten dar. Entsprechend sollte sich ein Anleger der Bonität des Emittenten versichern. Unter Risikoaspekten ebenfalls relevant ist die Tatsache, dass Fonds weitaus mehr Beschränkungen unterliegen als Zertifikate. So dürfen Publikumsfonds erst dann mehr als zehn Prozent ihrer Anteile in einen einzelnen Markt setzen, wenn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ihnen dafür grünes Licht gibt. Ein Länderfonds auf Pakistan oder Vietnam wäre rechtlich derzeit gar nicht möglich. Zertifikateanbieter sind da flexibler. Für sie gibt es kaum noch unerreichbare Märkte. »Wenn jemand ein Zertifikat auf Tansania möchte, könnte man das theoretisch in zwei Wochen konstruieren«, sagt Ferdinand Haas von der Investmentgesellschaft DWS. Im Central-Africa-Resources-Papier von ABN Amro ist sogar ein geringer Anteil Simbabwe enthalten.

So unterschiedlich sie sind: Immer öfter arbeiten Fonds- und Zertifikatehäuser zusammen. Häufig packen Emittenten einen für Privatanleger nicht zugänglichen Spezialfonds in einen Zertifikatemantel – fertig ist das neue Anlageprodukt. Doch es geht auch anders: So bietet etwa die Landesbank Berlin (LBB) ein Afrika-Zertifikat. Referenzwert ist dabei der Afrika-Fonds des britischen Fondsspezialisten Charlemagne Capital. Wer will, kann diesen allerdings auch direkt erwerben. jhä