Herr Schäuble, dürfen wir Ihnen Ihren Gesprächspartner vorstellen: Harun Kaynar, 26 Jahre alt, in Kreuzberg aufgewachsen als jüngstes von sechs Geschwistern. Mit zwölf hat er angefangen, sich mit anderen zu prügeln, mit 16 kamen härtere Delikte dazu: Körperverletzung, Diebstahl, Raub. Er hat den Hauptschulabschluss und ist ausgebildeter Heizungsbauer. Herr Kaynar ist mit einer Türkin verheiratet, seine Tochter ist gerade zwei geworden.

Wolfgang schäuble: Oh, Heizungsbauer. Mein Vetter hat eine Heizungsbaufirma. Soll ich mich auch vorstellen? Ich bin 64 und von Beruf Innenminister. Ich habe vier Kinder, das jüngste ist so in Ihrem Alter, Herr Kaynar. Verheiratet bin ich auch und nicht vorbe, doch, wegen eines Verkehrsdelikts war ich auch mal vorbestraft, fahrlässige Körperverletzung wegen eines Unfalls vor 40 Jahren, aber das ist längst gelöscht. Sie können einen Auszug aus dem Strafregister anfordern.

Herr Kaynar, vor ein paar Jahren haben Sie mit dem Prügeln aufgehört, gab es da eigentlich ein Schlüsselerlebnis?

harun Kaynar: Einmal habe ich in einer Diskothek bei einer Prügelei zwischen zwei Türken zugeguckt. Der eine hatte ein Messer dabei und hat den anderen in den Oberschenkel gestochen. Weil der Disco-Besitzer Angst um seine Konzession hatte, rief er keinen Arzt. Der Typ ist einfach verblutet.

Schäuble: Gestorben ist der?

Kaynar: Ja, der war vielleicht 23, ein gut aussehender Junge mit langen Haaren. Zu dieser Zeit war der mein Vorbild: immer Geld, coole Autos, schöne Weiber, in der Disco saß er immer im VIP-Bereich. Ich war 18, mein Traum war, so zu sein wie er. Und dann ist er gestorben für nichts.

Schäuble: Was ist mit dem Täter passiert?