Clayton Phipps ist vorsichtig geworden. Seitdem unlängst in der lokalen Zeitung stand, ihm, dem kleinen Farmer aus dem Ödland Montanas, gehe es nur ums Geld. Nate Murphy, ein in der Fachwelt weithin angesehener Paläontologe, behauptete öffentlich, Phipps und seine Kumpane könnten durch ihr Unwissen den »Jahrhundertfund« zerstören. Seither spricht Phipps nicht mehr so gern darüber, wie er und sein Freund Mark Eatman im vergangenen Sommer die ungewöhnlich vollständig erhaltenen Skelette von zwei Dinosauriern ausgegraben haben.

Dabei ist ihre Entdeckung eine kleine Sensation. Eine, auf die die beiden Hobbyfossiliensammler in den vielen Jahren, in denen sie das gottverlassene Hügelland im Osten Montanas durchstreiften, immer irgendwie gehofft haben. Bis zu jener Erkundungstour im letzten Juni im Umland von Phipps’ Rinderzucht nahe dem Örtchen Jordan. Eatman, seines Zeichens Fußbodenverleger aus der benachbarten Kleinstadt Billings, entdeckte am Fuße eines Canyons Knochensplitter. Er kletterte den Hang hinauf – und sah einen enormen Beckenknochen. »Der Hintern eines zweifellos sehr großen Dinosauriers hing förmlich aus dem Felsen heraus«, sagt Eatman.

Das war der Anfang eines langen Ausgrabungssommers, in dem Phipps’ Cousin Chad O’Connor, ein Truck-Fahrer, kräftig buddeln half – und eines Streits zwischen Fossilienjägern, wie er sich wohl nur dort entzünden kann. In dem Gebirgsstaat Amerikas fördern Abenteurer schon seit Jahrzehnten eine Riesenechse nach der anderen zutage. In dieser zerklüfteten Gegend Montanas wurde vor gut hundert Jahren das erste Skelett eines Tyrannosaurus Rex gefunden. »Hier nach Dinosauriern zu suchen ist wie ein Goldrausch«, gibt Phipps zu. Einige Wochen nach dem ersten Fund stieß er auf ein zweites Skelett. Wie das erste war es nicht nur zu über 95 Prozent erhalten, die Knochen waren zudem an den Gelenken miteinander verbunden.

Das ist äußerst selten in der Welt der Paläontologie, in der häufig aus nur wenigen Knochen Informationen über ganze Arten abgeleitet werden. Das war aber nicht alles. Bei Phipps’ und Eatmans Dinosauriern, die dort, in der 75 Millionen Jahre alten Judith-River-Formation, ihre letzte Ruhe gefunden hatten, handelt es sich um ein Raubtier und einen Pflanzenfresser. Der Schwanz des räuberischen umschlingt das Hinterbein des friedlichen Sauriers. Lagen da der Jäger und sein Opfer, für immer konserviert in ihrem letzten, tödlichen Kampf?

Phipps hält dieses Szenario für wahrscheinlich. Schließlich stecken im Vegetarier – vermutlich ein seltener Pachyrhinosaurus aus der Gruppe der gehörnten Dinosaurier – die Zähne eines Raubsauriers, einer im Rücken, drei im Nacken. Ob sie tatsächlich vom räuberischen Grabgefährten stammen, ist nicht klar, da dessen Schädel noch nicht ganz aus dem Sandstein gemeißelt ist. Phipps nimmt an, dass der Pachyrhinosaurus von einem ganzen Rudel mordlustiger Echsen gejagt wurde, wobei einer der Angreifer zu Tode gekommen sein könnte. In der Tat haben Eatman und Phipps einen besonders berüchtigten Räuber gefunden, ein Mitglied der Familie der Tyrannosaurier, wohl ein Gorgosaurus. Sie haben ihren Fund daher die »kämpfenden Dinosaurier von Montana« getauft.

Nate Murphy, jener Paläontologe, der am Fundort schon ein Auge auf die Fossilien werfen durfte, hat Zweifel. »Vielleicht sind die beiden Dinosaurier im selben Flutereignis umgekommen und dann übereinander gespült worden«, sagt der Direktor des Judith River Dinosaur Institute aus dem etwa hundert Meilen nördlich gelegenen Malta. Beweis für einen Kampf wäre nur, wenn etwa die Klauen des Angreifers im Opfer steckten. Nur ein einziges solches Pärchen gibt es weltweit: einen Velociraptor, der bei der Tötung eines Protoceratops in der Mongolei vor 80 Millionen Jahren von einem Sandsturm überrascht wurde.

Das ändert allerdings nicht viel an der Bedeutung der Echsen aus Montana. »Beide für sich genommen sind wunderschöne Exemplare«, sagt der weltberühmte Dinojäger Robert Bakker, Kurator am Morrison Natural History Museum in Colorado, der den Fund ebenfalls begutachtet hat. Eine gemeinsame Bestattung würde zudem beweisen, dass sich der wilde und der friedliche Dino den Lebensraum teilten, sagt Bakker. Selten werde eine solche Nachbarschaft derart gut in Stein dokumentiert gefunden. Und schon gar nicht von so großen Tieren wie denen aus Montana, mit sieben Meter Fleischfresser- und neun Meter Pflanzenfresser-Körperlänge. Das weiß auch Murphy. »Ja, die sind definitiv sehr viel Geld wert«, schreit der Forscher geradezu ins Telefon.

Genau darum geht es. Die Amateurpaläontologen wollen »Anerkennung« für ihre Arbeit haben – finanzielle, versteht sich. Sind die Skelette erst mal fertig präpariert, werden Eatman und Phipps ihren Fund verkaufen. Eatman nimmt da kein Blatt vor den Mund: »Wir denken durchaus an einen Preis in Millionenhöhe.« Damit ziehen die beiden den Zorn einer ganzen Zunft auf sich. Die Gesellschaft für Wirbeltier-Paläontologie lässt keine Publikationen über Fossilien zu, die sich auf dem freien Markt befinden. »Wissenschaft beruht darauf, dass Forscher ein Fossil jederzeit studieren können«, erklärt Catherine Bagdley, die Präsidentin der Gesellschaft. Das sei nur möglich, wenn sich diese in öffentlichen Einrichtungen wie Museen oder Universitäten befänden.

Die akademischen Hüter der Dinosaurier haben mit dem Fossilienhandel durchaus ihre – leidvolle – Erfahrung. Der prominenteste Fall ist Sue. Die Dinodame ist das weltweit vollständigste Skelett eines Tyrannosaurus Rex. Kommerzielle Dinojäger, also solche, die gezielt Fossilien jagen, um sie dann zu verkaufen, hatten das Skelett 1990 in Süddakota gefunden. Für stolze acht Millionen Dollar wurde es vom Field Museum in Chicago ersteigert. Das nötige Kleingeld stammte von McDonald’s und Disney World.