Das Wetter ist gut, die Ernte auch und trotzdem ist Spargelbauer Dietrich Paul schlecht gelaunt. " Wir haben große Probleme", sagt der Landwirt aus Kirchdorf in Niedersachsen. " Ich weiß keinen Rat mehr."

Es ist der Blick auf die eigenen Felder, der ihm die Stimmung verdirbt. Auf mehreren Hektar ragt der Spargel weit aus dem Boden heraus, verfärbt sich violett und wird damit wertlos. Ein Zehntel der Erträge sei ihm verloren gegangen, sagt Paul, der die niedersächsische Vereinigung der Spargelanbauer leitet. Vielen seiner Kollegen ergehe es noch schlimmer, einer habe sogar mehr als die Hälfte seiner Anbaufläche stilllegen müssen.

Den Kirchdorfer Spargelbauern fehlen Erntehelfer - und nicht nur ihnen.

Denn polnische Arbeiter, die seit dem Ende des Kalten Krieges in Scharen nach Deutschland auf die Felder geströmt waren, um Spargel zu stechen und Erdbeeren zu pflücken, kommen nicht mehr so zahlreich wie früher. Nach einer Umfrage des Bauernverbandes fehlen auf den Höfen 30 Prozent der polnischen Saisonarbeiter.

Viele Polen haben sich neue Ziele ausgesucht, sie gehen jetzt lieber nach Großbritannien oder Irland, denn diese Länder bieten ihnen bessere Jobs. Die deutschen Landwirte erleben eine Spielart der Globalisierung, die bisher meist nur Arbeitnehmer zu spüren bekamen einen Wettbewerb der Standorte. Jetzt wandern die Arbeitskräfte dorthin, wo sie die besten Bedingungen vorfinden. Und es sind die Arbeitgeber, die nicht mitwandern können.

Migrationsforscher beobachten schon seit einiger Zeit, dass sich die Arbeiter aus den osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten umorientieren.

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) arbeiteten im Jahr 2000 noch mehr als die Hälfte aller aus diesen Ländern kommenden Arbeiter in Deutschland heute ist es nur noch gut ein Drittel. Im selben Zeitraum stieg der Anteil Großbritanniens von unter 20 Prozent auf das Niveau der Bundesrepublik. Auch Irland zog deutlich mehr Osteuropäer an.