Am Ende des kurzen Prozesses, nach gut drei Stunden, erhebt Hildegard Wolff zornbebend ihre Stimme. " Er hat uns alle belogen", ruft sie ins Publikum. Um sodann den Sünder zu Boden zu strecken: "Sie sind gesellschaftlich ruiniert."

Sie hat ja recht, die Oberstaatsanwältin. Doch der Ton, den sie hier im Wolfsburger Amtsgericht anschlägt, ist unangemessen pathetisch wenn auch der Fall, der verhandelt wird, außerordentlich unappetitlich ist. Gegeben wird ein Stück aus der Serie "VW und seine Betriebsräte" oder plakativer und doch real: "Lustreisen, Prostituierte und Selbstbedienung".

Angeklagt ist diesmal Hans-Jürgen Uhl bis vor wenigen Wochen Mitglied des Deutschen Bundestags (seit 2002), VW-Betriebsrat (seit 1990), Mitglied der IG Metall (seit 1973) und der SPD (seit 1969). Nun ist er nur noch Hans-Jürgen Uhl, 55 Jahre alt.

Er gesteht nach langem Leugnen, als Reisender auf Kosten von VW die Dienste von zwei Prostituierten "entgegengenommen" und genau dies in fünf eidesstattlichen Versicherungen wahrheitswidrig bestritten und so die Arbeit der Justiz behindert zu haben. Das Urteil fällt genau so aus, wie es die Staatsanwälte beantragten: eine Geldstrafe von 39200 Euro. Das sind 280 Tagessätze à 140 Euro.

Die Sache Uhl ist die zweite im Komplex, die vor Gericht erscheint.

Vorausgegangen war ein Verfahren gegen Peter Hartz, den Ex-Personalvorstand von VW und, zu Gerhard Schröders Zeiten, Kanzlerberater, Namenspatron für die sogenannten Sozialreformen HartzI bis IV. Er darf als geistiger Vater der schmutzigen Reisen gelten. Und er hat nicht wie Uhl schließlich ohne Umschweife gestanden. Er hat gedealt Geständnis gegen Strafminderung. Das hat ihm im Januar 2007 zwei Jahre auf Bewährung eingebracht und eine Geldstrafe von 576000 Euro.

Wie Hartz mittlerweile in einer Art Autobiografie hat wissen lassen, hatte das schöne Reisen den Sinn, die Betriebsräte unternehmerisch denken zu lehren. Da muss jemand etwas falsch verstanden haben, auch der verurteilte Autor, er schreibt: "Ich habe eine Untreue im Rechtssinn begangen, auch wenn ich letztlich im Interesse des Unternehmens gehandelt habe." Der Mann denkt halt strategisch, der gemeine Jurist immer nur an Paragrafen und der noch gemeinere Betriebsrat immer nur an die nächste Nacht.