Utopieverzicht bedeutet Machtverzicht. Also: Eine Utopie muss her! Der Münchner Soziologe Ulrich Beck hat dies in einem Beitrag für die ZEIT (Nr. 25/07) der SPD ins Stammbuch geschrieben und die politische Schlüsselfrage benannt, auf die das utopische Denken im 21.Jahrhundert eine Antwort geben müsse: Es geht ihm um nichts Geringeres als darum, die Gerechtigkeitsfrage global und national, ökonomisch und ökologisch neu zu buchstabieren.

In einem Punkt seiner Analyse bleibt Beck freilich selbst altem Denken verhaftet und folgt umweltpolitisch einem sehr traditionellen Paradigma: Umwelt und Wirtschaft werden in seinem Text als unversöhnliche Gegensätze apostrophiert, und zwar indem er zwei "sozialdemokratische Modelle" der Klimapolitik einander gegenüberstellt. Die von ihm favorisierte "sozialökologische Utopie" einer "weltbürgerlichen Sozialdemokratie" gibt sich kosmopolitisch und zielt auf die große Umverteilung von Emissionsrechten und Wachstumschancen. Auf der anderen Seite sieht Ulrich Beck die Verfechter technischer Lösungen, die beflügelt durch ihr Vertrauen in den technologischen Fortschritt am Imperativ wirtschaftlichen Wachstums festhalten, dieses aber klimaneutral ausrichten wollen.

Diese harte Gegenüberstellung von Technologie und Umverteilung führt in die Irre. Ein politischer Funken für die von Beck angemahnte Utopie lässt sich nur aus der Kombination dieser beiden Ansätze schlagen.

Was stimmt: Der Klimawandel ist in vollem Gange, und verantwortlich dafür sind vor allem die Industriestaaten. Wahr ist auch, dass unter den klimapolitischen Folgen vor allem jene leiden, die bisher nichts oder nur wenig zum globalen Treibhauseffekt beigetragen haben. Die Entwicklungsländer sind nicht nur von einer Zunahme extremer Wetterlagen besonders betroffen. Der Klimawandel erschwert dort auch oft den Zugang zu Trinkwasser, mindert die Produktivität und die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen und begünstigt die Verbreitung von Infektionskrankheiten.

Ulrich Beck hat also recht, wenn er die unterschiedliche Betroffenheit durch Klimaveränderungen als Kern jeglicher Gerechtigkeitsfrage identifiziert. Er verkennt aber, dass diese Schieflage noch dadurch zugespitzt wird, dass auch die Möglichkeiten für Anpassungsstrategien an den Klimawandel ungleich verteilt sind. Viele Länder sind noch nicht in der Lage, Technologien der dritten industriellen Revolution, also Energie- und Ressourceneffizienz-Technologien, einzusetzen.

Selbst für die Industrieländer sind sie teuer, für die Entwicklungs- und Schwellenländer unerschwinglich. Der Deichbau in Hamburg oder an der Nordseeküste beispielsweise ist gegenüber der Absicherung von Mogadischu geradezu einfach und kostengünstig.

Vier Großtrends werden in den kommenden Jahren die zusammenwachsende Welt prägen.