Immer wenn Klaus Friedrichs in seinem Arbeitszimmer sitzt, wird er an die Kumpels erinnert, die fast einen Kilometer tief unter seinem Haus Kohle abbauen. An der Wand neben seinem Schreibtisch waren kürzlich wieder Risse entstanden, das Fensterbrett war geborsten, und überall in dem liebevoll renovierten Bauernhaus in Voerde am Niederrhein hatten sich Bodenfliesen gelöst: Bergschäden.

Inzwischen sitzen die Fliesen zwar wieder, und der Maler verteilt gerade frische Farbe über den Spachtelstellen an der Wand. Doch Friedrichs hat zu lange mit dem Bergbau gelebt, um zu glauben, dass dies der letzte Besuch der Handwerker war. » Das geht hier weiter, solange Kohle gefördert wird, und auch danach haben wir noch lange nicht Ruhe«, sagt er.

Die Politik hat den Ausstieg aus dem Bergbau beschlossen. Bis 2018 soll eine Grube nach der anderen dichtgemacht werden. Doch die Folgen des Bergbaus dürften noch lange darüber hinaus für Zündstoff sorgen.

Experten sprechen von den »Ewigkeitskosten«, die das Buddeln nach der Kohle hinterlässt. Sie sollen von einer Stiftung übernommen werden, die Ende dieses Monats gegründet wird. Schon jetzt ist aber umstritten, wofür sie tatsächlich aufkommen wird und ob ihre Mittel reichen werden. Am Ende könnte doch wieder der Steuerzahler in die Pflicht genommen werden.

So hält es Rainer Kambeck vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung für fraglich, ob der Börsengang genug Geld bringen und die Stiftung es schaffen wird, ihr Kapital so zu verzinsen, dass es für die Abwicklung der Kohleabbaufolgen reichen wird. Zusammen mit den Rückstellungen der RAG, etwa für Bergschäden, müssten im Jahr 2018 insgesamt 13,2 Milliarden Euro zusammengekommen sein, um alle Kosten zu decken, die nach dem Ausstieg aus der Kohle noch anfallen können. Das haben Wirtschaftsprüfer von KPMG im Auftrag der Bundesregierung prognostiziert. Doch Kritiker halten diese Hochrechnung, die vor allem auf Daten der RAG beruht, für viel zu niedrig.

Klaus Friedrichs ist einer dieser Kritiker. Der Jurist streitet nicht nur wegen seiner eigenen Mauerrisse immer wieder mit dem Kohlekonzern.

Vor einigen Jahren hat er die Bürgerinitiative Bergbaugeschädigter gegründet, die fast 1600 Mitglieder zählt. In den vergangenen Jahren sei es immer schwieriger geworden, Entschädigungen auszuhandeln, sagt Friedrichs. » Die haben angefangen zu knausern, um die Zahlen für das Gutachten zu schönen.«