Alle wollen überall Musik hören. Aber nicht alle dieselbe. Schon aus diesem Grund ist der Kopfhörer eine zivilisatorische Errungenschaft, dient er doch der Pflege des individuellen Geschmacks, ohne dass andere damit belästigt werden. Seit der allgemeinen Mobilisierung der Hörgewohnheiten trägt fast jeder auf der Straße irgendwas am Ohr. Bis vor einiger Zeit war es unumgänglich, dass daran das weiße Kabel des iPod-Ohrhörers hing, der allerdings nicht sehr viel besser klingt als ein gutes Telefon. Derzeit bevorzugen Szeneviertelbewohner grotesk große Siebziger-Jahre-Muscheln, die einen aussehen lassen wie ein Marsmännchen, das im Nebenjob als DJ arbeitet. In beiden Fällen hält der Träger den Kopfhörer eher für ein modisches Accessoire und nicht für ein Gerät, das dazu dient, tief in die Musik einzutauchen.

Doch ein Kopfhörer braucht nicht gefällig zu sein. Er soll nicht sozial aufwerten, sondern eher von der Gesellschaft forttragen: Unterm Kopfhörer ist man überall allein und ganz bei sich, ob man Reggae am Strand hört oder mit Bach durchs Museum geht. Kopfhörer, die gut klingen, sehen meist nicht schick aus. Sie haben innere Werte wie superleichte Membranen und doppelte Tieftöner. Davon sieht man nichts, es lässt sich nur hören man sollte es ausgiebig testen, bevor man ein Gerät dauerhaft an die Ohren lässt. Ein Klassiker ist der Koss Porta Pro, unverändert und unverwüstlich seit Anfang der Achtziger.

Seine Bässe sind tief und präzise, samtig die Mitten, über das gesamte Spektrum spielt er ausgeglichen und lebendig. Im Vergleich dazu klingen noch heute selbst teurere Modelle flau. Nur mit einem Übel wird er nicht fertig: dem Krach drum herum. Inmitten brodelnden Lärms zeigen Modelle mit sogenanntem Noise-Cancelling ihre Stärken. Sie nehmen über ein Mikrofon die Umgebungsgeräusche auf und neutralisieren sie. So muss man nicht immer lauter aufdrehen, sondern folgt auch im Flugzeug entspannt einer Klaviersonate oder versteht endlich mal den Ton des Bordkinos.

Um nicht mit einem Tinnitus nach Hause zu kommen, ist es wichtig, dass man leise hören kann. Ein hochwertiger Kopfhörer gibt schon bei niedrigem Pegel alle Details lebendig und nuancenreich wieder.

Besonders stark sind dabei so genannte In-Ear-Hörer, die den Klang direkt in den Gehörgang übertragen. Diese dicht abschließenden Systeme können das Niveau von Hi-Fi-Anlagen erreichen. Allerdings werden damit auch die eigenen Schritte und der Verzehr von Vollkornbrot zum akustischen Großereignis. Man ist eben ganz bei sich.

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