Die Christlich Demokratische Union Deutschlands ist eine Volkspartei", so beginnt das Grundsatzprogramm der CDU aus dem Jahre 1994. Es gilt noch bis zum Herbst. Dann kommt das neue. " Die CDU ist die Volkspartei der Mitte", heißt es darin. Es muss etwas passiert sein seit 1994.

Die SPD Gerhard Schröders hat der Union zweimal, 1998 und 2002, den Platz in der Mitte erfolgreich streitig gemacht. Danach, im Wahlkampf 2005, versuchte sich die Union im Vorgefühl eines sicheren Sieges als Speerspitze wirtschaftsliberaler Reformpolitik. Auch das ging schief.

Seither regiert die Union mit den Sozialdemokraten und hat daran inzwischen sogar Gefallen gefunden. Nicht an den Genossen, sondern an einer Politik mit deutlich sozialdemokratischem Einschlag.

Als Mahnung aber, dass sich eine eher gemütliche, geerdete, bürgerlich-konservative Partei wie die CDU nicht allzu weit von ihrem Naturell und dem ihrer Wähler entfernen darf, steht nun im neuen Programm die politische Ortsangabe als Selbstdefinition. Die Okkupation der Mitte durch die SPD und der Verlust der Mitte in der Phase liberaler Reformeuphorie unter beides will die CDU jetzt einen Schlussstrich ziehen.

So liest sich das ganze Programm: maßvoll, vernünftig. Von "ausgewogener Balance" sprach die Kanzlerin bei der Vorstellung. 2005 wollte die Union noch alle auf ihren gefährlichen Abenteuerparcours in die Globalisierung mitnehmen. Heute entwirft sie ein fröhlich-harmonisches Zukunftsprojekt: "Die CDU als die große Volkspartei in der Mitte unserer Gesellschaft will bewahren, was unser Land voranbringt, und verändern, was unser Land belastet."

Dabei verschweigt das Programm nicht einmal, was sich alles ändern soll. Auch die umstrittenen Projekte aus der Leipziger Reformphase der CDU vom Kündigungsschutz über die Gesundheitsprämie bis zur Steuererleichterung lassen wieder grüßen. Aber die süße Aura des Programms verschleiert die Härten und Risiken des globalen Wettbewerbs, die früher unverblümt, manchmal geradezu genussvoll heraufbeschworen wurden. Jetzt wirkt die globalisierte CDU-Welt fast sanft.

Selbst der alte Slogan der sozialen Marktwirtschaft "Wohlstand für alle" bleibt in Kraft. " Wir halten daran fest", verspricht die CDU, "schaffen aber mit Chancen für alle die Voraussetzungen, dass sich auch im 21. Jahrhundert die positiven Wirkungen der Sozialen Marktwirtschaft voll entfalten können." Klang es früher danach, als müsse sich Deutschland künftig bei wachsenden Anstrengungen erheblich einschränken, klingt es nun, als ließen sich unsere Standards globalisieren. Und wenn nur die Grundwerte der Partei Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität "im richtigen Verhältnis zueinander stehen", lautet die beruhigende Botschaft, "ist auch das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit erfüllt".