Das K-Wort fiel erst kurz vor Schluss. Tagelang hatten die Stromkonzerne für die Kernkraft getrommelt. Ohne verlängerte Laufzeiten der Atommeiler sei Klimaschutz in Deutschland nicht zu machen. Wer die Reaktoren abschalte, treibe den Strompreis in die Höhe. Verjage die Unternehmen aus dem Land. Lege die Axt an die Wirtschaft. Doch dann, am Dienstag im Kanzleramt, waren die versammelten Chefs der deutschen Stromwirtschaft erstaunlich still.

Verlängerte Laufzeiten? Nur in Nebensätzen ein Thema. So war es die Kanzlerin, die gegen Ende des Energiegipfels über die Kernenergie sprach und die Vorstandschefs verbal abwatschte.

Die ehrgeizigen Klimaziele ihrer Regierung seien auch ohne Atomkraft zu erreichen, sagte Angela Merkel. Und deshalb werde sie am Ausstieg aus der Kernenergie festhalten. Charmantes Lächeln. Ende der Durchsage.

Energiepolitik ist wieder dort angekommen, wo sie hingehört: in der Politik. Die Industrie, jahrelang verwöhnt von Rotwein-Runden mit Merkels Vorgänger Gerhard Schröder, reagiert konsterniert. Die Klimaschutzziele würden "politisch postuliert, statt gemeinsam erarbeitet", kritisierte E.on-Chef Wulf Bernotat vor dem Treffen. Die Regierung habe sich "bei zentralen Eckpunkten schon festgelegt", klagte ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz. Bloß: Ist nicht genau das die Aufgabe einer Regierung über die Rahmenbedingungen zu entscheiden?

Ausgerechnet Angela Merkel, die politisch so ungern konkret wird, hat sich beim Klimaschutz weit aus dem Fenster gelehnt. Sie hat den amerikanischen Präsidenten in Heiligendamm dazu gebracht, den Klimawandel nicht länger zu leugnen. Sie hat die Europäer auf dem Brüsseler Gipfel im März dazu verpflichtet, den Ausstoß von Kohlendioxid drastisch zu reduzieren. 30 Prozent weniger CO2 will die EU bis zum Jahr 2020 in die Atmosphäre blasen, Deutschland soll die Emissionen sogar um 40 Prozent senken. Und spätestens seit diesem Dienstag ist klar: Die Kanzlerin will zu Hause alles dafür tun, dass Deutschland seiner internationalen Vorreiterrolle gerecht wird.

Das trifft nicht nur die Industrie, sondern vor allem die Verbraucher.

Das Klima zu schützen sei eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe", so Merkel. Übersetzt heißt das: Alle müssen ran.