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Das Glück ist von extremer Hässlichkeit umgeben. Der Campus der Erasmus-Universität in Rotterdam gleicht einer Betonwüste. Einen besonders abstoßenden Anblick bietet das Gebäude M. Ein kalter Querblock, dessen untere Stockwerke nicht einmal Fenster aufweisen, nur schmale Schlitze. Der Soziologieprofessor Ruut Veenhoven, ein freundlicher Mann mit grauweißen Haaren, hat sein Büro im sechsten Stock dieses Hochbunkers. Wenn er aus dem Fenster schaut, blickt er auf eine Schnellstraße. Wenn der Forscher aber von seinem Schreibtisch aufsteht, ein paar Schritte über den Flur geht und die Tür zum Raum M-6 26 öffnet – dann hat er das gesammelte Glück der Welt vor Augen.

Veenhoven, 64, hat in den vergangenen Jahren die World Database of Happiness aufgebaut. Eine einzigartige Sammlung von Forschungsergebnissen zur Lebenszufriedenheit von Menschen auf dem Planeten. 3000 Umfragen, 10000 Studien. Abgelegt in einer Vielzahl von Aktenordnern und abgespeichert auf Rechnern, die über das Internet zugänglich sind . Wie glücklich sind die Dänen, verglichen mit den Deutschen? Wächst das Glück mit steigendem Wohlstand? Macht Demokratie zufrieden? Die Antworten auf diese Fragen finden sich in Professor Veenhovens Weltdatenbank des Glücks. Diesen Artikel können Sie auch als mp3 hören, klicken Sie auf das Bild. Weitere ZEIT-Artikel zum Hören finden Sie unter www.zeit.de/hoeren BILD

Seit einigen Jahren registriert Veenhoven ein steil steigendes Interesse an seinem Fachgebiet – die Wissenschaft hat das Glück entdeckt. Waren es erst die Psychologen, die nach den Bedingungen des Glücks forschten, sind es neuerdings die Ökonomen, die studieren, was die Menschen zufrieden macht. Sie wollen wissen, ob und wie Gesellschaftsformen und Wirtschaftssysteme die Bürger glücklicher machen – und eine Revolution in ihrem Fach auslösen.

Glück und Wirtschaft? Zur Gründerzeit der Ökonomie war das noch eine Einheit. »Das größte Glück der größten Zahl« hatte der schottische Philosoph Francis Hutcheson Anfang des 18. Jahrhunderts als Ziel ausgegeben. Und die Pioniere des Ökonomenfachs einschließlich des Übervaters Adam Smith hatten genau das im Sinn. Manche träumten von einem Glücksmesser, der die Regungen der Menschen genau aufzeichnen könnte. Doch das vermochten sie damals nicht: die Zufriedenheit messen. Und so wurde der Mensch für die Ökonomen zu einem Wesen, das seinen Nutzen selbst maximiert. Das Geld wurde zum Maß aller Dinge. Daraus folgte erstens: Je höher das Einkommen eines Menschen, desto besser für ihn. Und zweitens: Was den Menschen guttut, zeigt sich darin, wofür sie Geld ausgeben. Diese Art, die Dinge zu sehen, bot einen Vorteil. Man musste nicht in die Köpfe und Herzen schauen, um zu bestimmen, was Menschen wohl bekommt. Man zählte einfach zusammen, was sie produzierten und konsumierten, und wusste anschließend, wie es ihnen ging.

Dann kam Richard Easterlin. Der Ökonom aus den USA verglich im Jahr 1974 die Auskünfte, die Menschen im Laufe der Jahre in Umfragen über ihre Lebenszufriedenheit gegeben hatten, mit den nackten, kalten Wirtschaftsdaten. Und fand, dass das Glück in den Industrieländern stagnierte, während der Wohlstand wuchs und wuchs. Solange das Jahreseinkommen der Menschen freilich unterhalb von 10000 Dollar liegt, erzeugt mehr Geld fast automatisch auch mehr Zufriedenheit, vor allem in Entwicklungsländern ist die Wirkung groß. Oberhalb der Grenze bricht die Verbindung von Geld und Glück allerdings ab. Wie ist das möglich? Offenbar ist der Zusammenhang zwischen Zufriedenheit und materiellen Zugewinnen nicht so eng, wie die Wirtschaftswissenschaftler angenommen hatten. Diese Erkenntnis führte zu einer anderen Frage: Wenn es nicht das Geld ist, das uns glücklich macht – was ist es dann? Diese nur scheinbar schlichte Frage soll die Glücksforschung beantworten. In ihr kooperieren Wirtschaftswissenschaftler mit Soziologen und Psychologen.

Später stießen auch Hirnforscher hinzu. Sie konnten vor allem bei jener Frage helfen, die eine Untersuchung menschlicher Glücksgefühle lange behindert hatte: Kann man Glück überhaupt messen? Die Antwort lautet ja. Und es geht sogar relativ einfach. Die Neurowissenschaftler zeigten, dass die Wahrnehmung von Gefühlen etwas Objektives hat. Angenehme Erlebnisse führen zu einer Aktivität in bestimmten Regionen der linken Gehirnhälfte. Misst man diese, so stimmen die Ergebnisse recht gut überein mit den Empfindungen, die Versuchspersonen selbst schildern. Natürlich gibt es unglückliche Menschen, die von sich sagen, es ginge ihnen gut. Aber sie sind die Ausnahme. Lässt man Menschen also den Grad ihrer Zufriedenheit auf einer Skala von »extrem unzufrieden« bis »vollkommen zufrieden« bestimmen, so erhält man in aller Regel Angaben, die ein ziemlich verlässliches Abbild der Befindlichkeit geben.

Das vielleicht wichtigste Ergebnis dieser Studien lautet: Zufriedenheit erlangen die Menschen weniger mit Dingen als mit Aktivitäten. Zwar sind die Reichen in den Industrieländern im Schnitt zufriedener als die Armen – aber der Unterschied ist gering. Wenn hingegen die Partnerschaft funktioniert, ist viel gewonnen. Eingebunden zu sein in einen Freundeskreis, in Clubs, Vereine, gemeinnützige Gruppen, in eine Religionsgemeinschaft – all das ist mit Lebenszufriedenheit verbunden. Schön zu sein hilft hingegen kaum weiter, ebenso wenig hohe Bildung. Was allerdings sehr viel nutzt, ist ein (womöglich angeborenes) Talent zur Zufriedenheit: Sonnige Gemüter genießen einen erheblichen Vorteil, manche Forscher taxieren den Anteil der Gene an der Zufriedenheit auf 50 Prozent.

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Viele Merkmale zufriedener Menschen kann der Staat kaum beeinflussen. Andere schon – zum Beispiel, wie hoch die Arbeitslosigkeit ist. Die Ökonomen waren aus dem Konzept gebracht, als durch Befragungen klar wurde: Arbeitslosigkeit macht die Betroffenen extrem unzufrieden, unabhängig von der Höhe der Stütze. Ohne Job zu sein raubt den Betroffenen die sozialen Kontakte und ihr Selbstwertgefühl. »Die Vermutung der Chicago-Ökonomen, alle Arbeitslosigkeit sei freiwillig, stimmt eben nicht«, sagt Gert Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), der seine Landsleute über Jahrzehnte erforscht hat. Heißt das im Umkehrschluss, dass die Menschen sich selbst mit einem befristeten und schlecht bezahlten Job deutlich besser fühlen? Laut erster Daten: ja, sagt der Experte, »diese Menschen sind fast so zufrieden wie die Dauerangestellten«.

Für die ökonomische Theorie und die praktische Politik wiegt ein zweites Ergebnis ebenso schwer: Wenn George Bernard Shaw recht hat und Ökonomie die Kunst ist, das Beste aus dem Leben zu machen, dann verhalten sich die Menschen oft unökonomisch. Sie zielen nicht selten am eigenen Glück vorbei und erweisen sich im wirklichen Leben keineswegs als die verlässlichen Maximierer, als die Ökonomen sie im 20. Jahrhundert hingestellt haben.

Daniel Kahneman, der Psychologe aus Princeton mit einem Nobelpreis für Ökonomie, hat das vielfach demonstriert. Hoffnungslos würden die meisten von uns das Glück überschätzen, das ein höheres Gehalt oder ein Lottogewinn bringe. Tatsächlich gewöhnten sich Menschen nach einer Weile des Hochgefühls an den neuen Lebensstandard – ein großer Teil des Glücksgewinns löst sich wieder auf. Amerikaner freuten sich oft auf den Umzug ins sonnige Kalifornien, um festzustellen, dass gutes Wetter die Zufriedenheit nicht weiter beeinflusst. Menschen kauften sich Luxusautos, doch Glück erlebe man in Momenten, in denen man seine Aufmerksamkeit auf etwas Angenehmes richte, sagt Kahneman. Und auf ein Auto könne man sich nicht lange konzentrieren. Anders der Umgang mit Freunden, der immer wieder neu sei und eine glücksfördernde Wirkung selten verfehle. Anders auch die vielen kleinen Konsumfreuden, die mehr bringen als eine teure Anschaffung.

Zusammengenommen könnten diese Erkenntnisse das Gedankengebäude der Ökonomen erschüttern. Kein Wunder, dass Staatsgläubige wie Marktliberale nun versuchen, die Erkenntnisse der Glücksforschung für sich zu reklamieren.

Wo die Menschen als Glücksmaximierer versagen, muss der Staat einspringen, forderte der britische Ökonom Richard Layard – und setzte damit den Ideologiestreit in Gang. Schnell ist Layard mit massiven Forderungen zur Hand. Weil Menschen wie in einem Laufrad nach immer mehr Wohlstand strebten, nur um dann festzustellen, dass sie nicht zufriedener werden, fordert er Luxussteuern. »Steuern können ein wichtiges Instrument zur Beendigung des Statuswettlaufs und der Überarbeitung sein«, schreibt er. »Leistungsabhängige Bezahlung dagegen kurbelt diesen Wettlauf noch an.«

Zu viel Werbung findet der Ökonom kontraproduktiv, weil sie die Verbraucher an Konsum denken lasse – man solle die Reklame einschränken. Die Mobilität der Menschen dürfe der Staat nicht fördern, sonst gingen lokale Gemeinschaften kaputt. Und Schulen sollten die Kinder in der Kunst eines zufriedenen Lebens erziehen.

Vorsicht mit dem Ruf nach dem Staat, entgegnet der Schweizer Glücksökonom Bruno Frey. Die Regierenden dürften nicht zu »Diktatoren des Glücks« gemacht werden (siehe Interview). Tatsächlich greift Layard einzelne Studien heraus und erklärt sie schlankweg zur großen Politik. Er übersieht, dass Politiker nicht vor Fehlern gefeit sind, wenn sie vorgeblich das Bürgerglück verfolgen. Und erklärt Fragen für geklärt, die es nicht sind – wie die, ob eine Nation mit höherer Ungleichheit unzufriedener wird.

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Dass man die Weltvergleiche zum Glück auch neoliberal interpretieren kann, hat die Forschungsfirma der Deutschen Bank im April vorgemacht. Sie verglich weltweit die Zufriedenheitswerte und packte dann Erfolgsländer wie die in Skandinavien, die Niederlande und die Schweiz zusammen mit Großbritannien und den USA – und erklärte sie allesamt zur »glücklichen Variante des Kapitalismus«. Tatsächlich bekunden Bürger all dieser Länder eine hohe Zufriedenheit, die Arbeitslosigkeit ist dort derzeit gering, das Einkommen hoch, ebenso die individuelle Freiheit. Doch das reichte den Bankökonomen nicht. Sie erklärten auch die Abschaffung des Kündigungsschutzes zu einem Glücksrezept. Tatsächlich schützen Norweger oder Niederländer sehr wohl ihre Arbeitnehmer durch Gesetze. Und solch spezielle Schlussfolgerungen lassen die groben Daten auch nicht zu. Lebenszufriedenheit in ausgewählten Ländern. Klicken Sie auf das Bild BILD

So wird die Glücksforschung in eine politisch-philosophische Auseinandersetzung hineingezogen. »Beide Seiten versuchen, die Daten nach ihrer eigenen Ideologie zu beugen«, sagt der Niederländer Veenhoven. Wenn schon, könne man aus der Glücksforschung »eine liberale Politik« ableiten. Am stärksten sei die Lebenszufriedenheit verschiedener Länder nämlich verbunden mit dem Grad der wirtschaftlichen Freiheit und des Individualismus. Wichtig für das Glück der Bürger sei auch eine gute staatliche Verwaltung. Weniger wichtig: wie fürsorglich ein Staat sei. Island habe weniger als die Hälfte des schwedischen Sozialstaats, seine Bürger seien aber ebenso glücklich.

Internationale Glücksvergleiche, wie auch Veenhoven sie betreibt, sind freilich mit einem Problem behaftet: Unterschiedliche Kulturen beeinflussen nämlich das Glücksempfinden. Japaner sind notorisch unzufrieden, Mittelamerikaner eher fröhlich. Man wisse bei solchen Gegenüberstellungen oft nicht genau, was ein Ergebnis wirklich ausgelöst habe, klagt Gert Wagner vom DIW.

Mehr und mehr lernen die Vermesser des Glücks über Unterschiede zwischen Nationen. US-Bürger lassen sich kaum davon erschüttern, dass die Reichen schnell reicher werden, während der Rest Amerikas stagniert – weil sie an das amerikanische Versprechen glauben: Wer sich anstrengt, kommt nach oben. Kontinentaleuropäer empfinden das anders. Die Haltung zum Risiko unterscheidet sich diesseits und jenseits des Atlantiks: Amerikaner leben leichter damit als Europäer. Wenn sich solche Unterschiede bewahrheiteten, müssten die Länder auch eine unterschiedliche Wirtschaftspolitik betreiben, sagt Gert Wagner.

Die Europäer müssten also die Existenzsicherheit ihrer Bürger und die Verteilung des Wohlstandes mehr im Auge behalten. Das wäre das Ende des seit Jahren florierenden Welthandels mit Reformideen, in dem ein Land das andere imitiert. Doch es gibt ja auch die andere Wahrheit: Neue Institutionen und kultureller Wandel verändern auch die Menschen. Und vor dem Streit, ob sich nun die Politik an die Menschen anpassen muss oder ob sie sie verändern soll, kann kein Glücksökonom die Nationen bewahren.

Auch nicht vor der Debatte, welche Glücksrendite der Kapitalismus den westlichen Gesellschaften verschafft. Viele Menschen glauben, das Leben werde immer schwieriger und schlechter. US-Bürger sollten über die Jahre mehrfach ihre Meinung zu dem Satz äußern: »Im Gegensatz zu dem, was manche Leute sagen, verschlechtert sich das Los des Durchschnittsmenschen, statt sich zu verbessern.« In den siebziger Jahren stimmten 55 Prozent der Aussage zu. In den frühen Neunzigern schwoll der Anteil der Pessimisten auf 70 Prozent an.

Doch das sei ein Vorurteil, sagt Veenhoven. In einer Studie über die Entwicklung der Lebenszufriedenheit von Menschen in 90 Ländern kam er zu dem Ergebnis, »dass die Menschen in den meisten modernen Gesellschaften länger und glücklicher leben«. Dies stehe im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung, die stark von negativen Phänomenen wie Kriminalität, Drogenmissbrauch und der Zunahme psychischer Erkrankungen geprägt sei.

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In seiner Untersuchung kombinierte Veenhoven die Daten zur Lebenszufriedenheit auch mit denen zur Lebensdauer und ermittelte so die happy life years, die Zahl der glücklich verlebten Jahre. Deren Zahl ist zwischen 1973 und 2002 in fast allen europäischen Ländern deutlich gestiegen, am stärksten in Luxemburg und in Dänemark, wo der Durchschnittsbürger jeweils mehr als sieben glückliche Jahre hinzugewann, nur in Belgien nahm sie ab. In Deutschland lag das Glücks-Plus mit 4,4 Jahren knapp über dem der USA. Bei den Briten stagniert das Glück – eine späte Widerlegung des Nietzsche-Wortes »Der Mensch strebt nicht nach Glück; nur der Engländer tut das«.

Ein weiteres überraschendes Ergebnis der Studie war, dass Modernisierung und Verstädterung die Lebenszufriedenheit nicht beeinträchtigen, sondern steigern – vor allem die Zahl der Unglücklichen nahm ab. »Das soziale System gibt uns mehr Möglichkeiten zu wählen, und wir sind immer geschickter darin geworden, unsere Wahl so zu treffen, dass wir ein Leben führen, das unseren individuellen Bedürfnissen entspricht«, interpretiert Veenhoven die eigenen Ergebnisse. Modernisierungsverlierer, deren Psyche überfordert werde, seien in der Minderheit.

Mit der Modernisierung wächst nun auch die Ungleichheit der Einkommen. Was bedeutet das für die durchschnittliche Zufriedenheit? »Bisher gibt es darauf keine klare Antwort«, sagt der Berliner Forscher Gert Wagner. Deutlich sei nur: »Die Zufriedenheit sinkt, wenn man von unten überholt wird.« Menschen bewerten das, was sie haben, vor allem relativ.

Veenhoven hält es für falsch, die soziale Ungleichheit nur nach den Einkommen zu bemessen. Das würde der Tatsache nicht gerecht, dass sich manche Leute bewusst für einen ruhigen Lebensstil mit viel Freizeit und bescheidenem Einkommen entscheiden. Andere wiederum verdienen viel Geld, bezahlen dafür aber mit Stress oder permanenter Überbelastung. Um die soziale Ungleichheit zu verstehen, will der Soziologe eher wissen, ob die Zufriedenen womöglich immer glücklicher und die Unzufriedenen immer unglücklicher werden. Die Daten für die europäischen Länder bis zum Jahr 2001 sagen ihm eher das Gegenteil – die Gleichheit des individuell empfundenen Glücks wuchs. Vielleicht, weil die Gesellschaft lernte, verschiedenste Lebensstile zu akzeptieren.

So unsicher die Ergebnisse der Glücksforscher noch sind, nehmen Politiker sie doch ernst. Die britische Labour-Regierung hat vor zwei Jahren eine hochrangige Arbeitsgruppe eingerichtet, die die Ergebnisse der Zufriedenheitsstudien in Politik übersetzen soll. Die Opposition springt ebenfalls auf das Pferd auf. Und eine Vorzeigeschule will jetzt den Heranwachsenden das Glücklichsein beibringen – sie lehrt, was die Psychologen empfehlen: emotionale Widerstandsfähigkeit, Selbstkontrolle und Optimismus.

Das ist im Sinne vieler Glücksforscher. Sie wünschen sich, dass der Zufriedenheit in allen Lebensbereichen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. »Was ist das Ziel eines Altersheims?«, fragt Veenhoven beispielhaft und gibt die Antwort selbst: »Das ist die Produktion glücklicher Lebensjahre.« Beurteilt würden solche Einrichtungen aber, wenn überhaupt, nach ihrer Personalstärke oder den Räumlichkeiten. »Man sollte die Bewohner einige Male im Jahr fragen: Wie fühlen Sie sich?« Wie die Gesundheitsinformationen die Volksgesundheit verbessert hätten, so könnte auch die Glücksforschung den Menschen Ratschläge und Anregungen für ein besseres Leben geben.

Der österreichisch-britische Philosoph Sir Karl Popper warnte vor dem Kommunismus und anderen totalitären Ideologien: Der Wunsch, die Menschen glücklich zu machen, sei das gefährlichste aller politischen Ideale. Diese Gefahr wohnt der Glücksforschung tatsächlich inne. Doch die führenden Köpfe sind sich dessen bewusst. Sie diktieren keine Maßnahmen, sondern liefern lediglich neue Argumente in einer Debatte um Ziele und Wege. Und was noch besser ist: Sie rücken den Menschen wieder in den Vordergrund.