Die Schmutzlers wohnen in einem ruhigen Viertel mit gepflegten Einfamilienhäusern und weiten Wiesenflächen ringsum. Fünfmal in der Stunde fährt der Bus in die Hamburger Innenstadt. Der Grieche am Ende der Straße versetzt sein Publikum migrationsmäßig in die Anfänge der Lindenstraße. Da überrascht es kaum noch, dass Karin Schmutzler klingt wie Mutter Beimer.

"Ich habe bestimmt nie ein Kind beeinflusst", sagt Schmutzler mit gewinnender Stimme, mit der sie auch alles andere in der nächsten Stunde sagt. Dass man ihre Positionen zu Recht als rechtsradikal bezeichnen könne, zum Beispiel. Dass für sie die Wiedervereinigung nur die "kleine Wiedervereinigung" sei und dass sie Schlesien und Ostpreußen nach wie vor zu Deutschland zähle. Schon ihr Vater habe so gedacht. Darum habe sie auch ein Postfach für die Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) angemietet. Eine Organisation, die der Verfassungsschutz als rechtsextrem einstuft.

Und dennoch ärgert Karin Schmutzler der WDR - Beitrag. Im Großen und Ganzen gebe er ihre Meinung zwar wieder, sagt sie. Er sei jedoch zugespitzt zusammengeschnitten. Wer sich die Rohbänder des Interviews ansieht, der findet wenig Belege für diese Behauptung. An einer Stelle, die nicht gesendet wurde, sagt sie: "Ich war eine gute Lehrerin, weil ich den Kindern ein geschlossenes Weltbild geben kann, eine gute Portion Geborgenheit. Wir NPD-Frauen wollen nicht jede Randgruppe mit einbeziehen, wir definieren uns ganz klar als Deutsche, die eine deutsche Kultur weitergeben. Dadurch geben wir einem Kind einen engen und ganz klaren Rahmen, in dem es sich bewegen kann." Hört sich so eine Lehrerin an, die nie ein Kind beeinflussen wollte?

Die katholische Schule erfuhr von Jochen Schmutzlers rechtsradikalem Engagement erst durch die tageszeitung. Dass Schmutzlers Frau 2002 für die Republikaner kandidiert hatte, das war an der Schule bekannt. Eine Lehrerin hatte damals einen Wahlzettel mit in die Schule gebracht. Schulleiter Klaus Pax war sehr erstaunt, als er hörte, dass auch Jochen Schmutzler in dieser Szene aktiv ist. Schmutzler war ein zurückgezogener Kollege, einer, der sanft mit den Schülern umging. Die Schüler durften ihn duzen und mit ihm raufen, auch die ausländischen, und davon hat die Schule einige. Klassenlehrer war Jochen Schmutzler nie. Er konnte nicht gut Grenzen setzen. Er unterrichtete Kunst, Musik, Sport und half bei den Hausaufgaben. Seitdem Jochen Schmutzler nicht mehr unterrichtet, sammelt Pax die Briefe der Kinder, die ihn vermissen, und schickt sie ihm nach Hause.

Die Schule in Farmsen ist eine katholische Privatschule, eine rechtsextreme politische Auffassung widerspricht ihrer christlichen Ausrichtung. Darum konnte der Träger, die römisch-katholische Kirchengemeinde Hamburg, anders als der Staat Jochen Schmutzler fristlos kündigen. Die Kirche hat so gehandelt, wie es die Weltsicht von Karin und Jochen Schmutzler auch verlangt: klare Linien. Denn selbst wenn die NPD keine verbotene Partei ist, ihre Mitglieder müssen sich entscheiden: für ein Leben in der Mitte der Gesellschaft oder eines am Rande. Das ist die Botschaft der Kirche, und wenn man an die Vorfälle in Halberstadt denkt, vielleicht keine verkehrte.

Der Staat muss andere Wege finden. Auf der letzten Kultusministerkonferenz Mitte Juni in Berlin standen Extremisten im Schuldienst zwar nicht auf der Tagesordnung, aber am Rande sprach man dennoch darüber. Eine klare Linie gab es nicht. Wie hält man es zum Beispiel mit Mitgliedern der PDS/Linkspartei, jetzt Die Linke, die ebenfalls vom Verfassungsschutz beobachtet wird? In Niedersachsen unterrichtet Karlheinz Weißmann, der sich zur "Neuen Rechten" zählt, aber kein NPD-Mitglied ist, an einem staatlichen Gymnasium Religion und Geschichte, und in Bremen hat sich der Elternrat entschlossen, die ehemalige RAF-Terroristin Susanne Albrecht weiter als Sprachlehrerin an der Grundschule zu beschäftigen.

Karin Schmutzler arbeitet jetzt im Innendienst. Jochen Schmutzler überlegt, ob er die Kündigung anfechten soll.