Der Artikel hat eine kurze, aber gute Beschreibung der "osteuropäischen Seele" gegeben, sie trifft jedenfalls auf einige Teile der Gesellschaften zu. Wir Osteuropäer sind wirklich nicht so wild, aber es werden eben nur Ereignisse in den Medien ziemlich undifferenziert erörtert, die einen gewissen "Pegel" erreichen. Dass Polen jetzt an den in der EU etablierten Machtverhältnissen rüttelt, ist legitim, aber das Mittel das Aufrechnen der Geschichte oder die Kritik am Nichtwissen ganzer Gesellschaften ist mitunter wirklich lustig. Wir könnten das Rad weiter nach Osten oder Süden drehen: Wie viele Polen (oder Ungarn) kennen den größten Dichter der Ukraine oder Ägyptens? Wer sieht auf wen von oben herab? Anders gefragt: Sitzen vielleicht die Osteuropäer auf einer der mittleren Stufen?

Anderseits trifft es wirklich zu: Wir sind keine schlechten Europäer, bloß ein wenig unerfahren. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass man mit dem ständigen Gefühl des Beleidigtseins nur Kopfschütteln ernten wird, Anerkennung nicht. Und das gilt nicht nur für die osteuropäischen Länder.

Tamás Csaba, Berlin