Weil die Zahl der Millionäre in den letzten Jahren stetig steigt, wächst auch der Bedarf nach Kammerdienern. In Deutschland leisten sich immer mehr Familien einen Butler. Wir sprachen mit Carlheinz Schichl, 39, Geschäftsführer der Hauspersonalagentur A.O.G.

DIE ZEIT: Ist der Kammerdiener das neue Statussymbol der Oberschicht?

Carlheinz Schichl: Aristokraten hatten immer schon Butler, genauso die Großindustriellen. Aber jetzt steigt der Bedarf mit dem Wirtschaftsaufschwung, viele Unternehmerfamilien stellen wieder Hauspersonal ein. Früher konnte ich den Kunden innerhalb von 48 Stunden zehn geeignete Kandidaten präsentieren, heute finde ich vielleicht noch zwei.

ZEIT: Was genau ist ein Butler?

Schichl: Butler sind hoch bezahlte Leute in leitender Funktion! In Deutschland verdienen sie zwischen 3500 und 5000 Euro brutto. Der klassische Butler ist eine Vertrauensperson, das Bindeglied zwischen Haushaltsvorstand und Personal. Es gibt auch Jungmilliardäre, die sich von ihren Butlern in die Etikette der Oberschicht einweisen lassen.

ZEIT: Klingt ein bisschen dekadent.

Schichl: Das ist es auch. Die Arbeitgeber sind oft schwierig, manche sind im 17. Jahrhundert stehen geblieben, geben ihrem Personal nicht mal die Hand. Ein Kunde in der Schweiz hat gerade seine Haushälterin entlassen, weil sie in ihrer Freizeit ausgeholfen hatte und dabei keine Dienstkleidung trug.