Irene Eber will überleben. Bei Nacht und Nebel verlässt die Zwölfjährige Vater, Mutter und Schwester. Das Mädchen hat genug gesehen, um zu ahnen, wohin die Deportationszüge rollen: Säuglinge, die von den Deutschen beim Räumen der Ghettos aus den Fenstern geworfen werden - jüdische Männer, die bei lebendigem Leib in der Synagoge verbrennen - Mütter, die ihre Kinder ersticken, um sie den Mördern der SS zu entziehen.

Irene Eber überlebt. Sie überlebt die Odyssee verschiedener Zwangsumsiedlungen mit ihrer Familie - sie überlebt die Ghettos von Mielec, Debiça, Radomyl im südöstlichen Zipfel Polens. Und schließlich überlebt sie zwei Jahre allein im nachtfahlen Dämmerlicht eines Hühnerstalls, in dem ehemalige Nachbarn sie verstecken. Am Ende, 1945, findet sie Mutter und Schwester wieder. Fünf Jahrzehnte danach aus dem Mädchen ist eine Großmutter und angesehene israelische Ostasien-Expertin geworden bricht Irene Eber ihr Schweigen. Sie reist in die Vergangenheit, nach Polen, und schreibt ein Buch, das weder 1933 beginnt noch 1945 endet.

Irene Ebers Vater kam in Flossenbürg um, genau wie der von Thomas Buergenthal, dessen Memoiren-Band Ein Glückskind wider Erwarten zum Bestseller wurde. Einen derartigen Erfolg hat Irene Eber auch verdient für ihre klare Sprache und ihren Mut, im Schreiben die Nähe des Todes noch einmal zuzulassen. Dorion Weickmann

Irene Eber: Ich bin allein und bang

Ein jüdisches Mädchen in Polen 1939-1945 - Verlag C. H. Beck, München 2007 - 288 S., Abb., 19,90 Euro