Woran denken Sie zuerst, wenn Sie "Europa" hören?

Das hängt ganz vom Zusammenhang und dem Gemütszustand ab, in dem ich mich gerade befinde, doch die gewöhnliche Reaktion ist Unschlüssigkeit. Was ist Europa? Die Geschichte grausamer Kriege, schrecklicher religiöser und politischer Intoleranz, von Machtmissbrauch, Unterdrückung der Schwächsten und einem unersättlichen Kolonialismus? Kann es für einen Kontinent, auf dem sämtliche vorstellbare Grausamkeiten unter dem Deckmantel vermeintlicher oder tatsächlicher kultureller Überlegenheit stattgefunden haben, eine Parallelgeschichte der Philosophen, Künstler und Schriftsteller geben, die ihn wieder lebenswert machen? Europa war in vieler Hinsicht ein historischer Albdruck, und ich bin mir nicht sicher, dass es das in Zukunft nicht mehr sein will. Die Intoleranz existiert heute wieder, überall sind faschistoide Tendenzen spürbar.

Was war Ihre erste persönliche Erfahrung mit Europa?

Ich war acht oder neun Jahre alt, als ich zum ersten Mal Molière las auf Portugiesisch, nicht auf Französisch. Ich muss wohl gedacht haben, wenn das Europa ist, dann lohnt sich die Mühe. Die Enttäuschung ließ nicht lange auf sich warten.

Warum ist es gut, dass Ihr Land zur EU gehört?

Portugal hat von den europäischen Strukturfonds immens profitiert, was nicht heißt, dass diese Gelder (Millionen und Abermillionen) immer sinnvoll verwendet wurden. Uns wurde noch nicht erklärt, was die Vorteile Europas für uns als kleineres Unionsmitglied sind. Und auch nicht, welches Land denn die Führung übernimmt. Oder die Namen der finanzstarken multinationalen Firmen, die über die ökonomischen, politischen und sozialen Verhaltensweisen Europas wachen werden oder es schon jetzt tun.

Womit kann oder wird Europa die Welt noch überraschen?