In einer Zeit, in der selbst die Bundeskanzlerin, ebenso wie ihr Vorgänger, nicht weiß, wie der richtige Genitiv von "dieses Jahr" lautet, ist es tröstlich zu lesen, dass es noch Menschen gibt, die in "nichtsdestotrotz" einen scherzhaft gebildeten Bastard erkennen.

Zu den Merkwürdigkeiten, die Gegenstand Ihres Wörterberichts sein könnten, gehören Neuschöpfungen, die oft aus den Amtsstuben zu kommen scheinen und sich, obwohl sie überflüssig sind, epidemieartig verbreiten - fußläufig (statt zu Fuß), zielführend (statt zweckmäßig), zeitnah (statt aktuell), zeitgleich (ursprünglich nur im Sport gebraucht, hat "gleichzeitig" fast völlig verdrängt), "Schnittmenge" (statt Gemeinsamkeit oder Übereinstimmung) und so weiter. Hierzu gehört auch der unpassende Vergleich eines auffälligen Unterschieds mit der Schere, einem Schneidinstrument ("die Schere zwischen Arm und Reich").

Ein besonders typisches Beispiel dieser Gattung ist "Sinnhaftigkeit", ein Wort, das ich zum ersten Mal aus dem Munde Angela Merkels gehört habe. Das Adjektiv "sinnhaft", von dem es abgeleitet sein könnte, gibt es noch nicht.

Ein anderes Phänomen ist der inflationäre Gebrauch von "insofern", das unter Verlust seiner einschränkenden Bedeutung "deshalb"/"darum" immer mehr ersetzt. Themen für den Wörterbericht gibt es also im Überfluss.

Möge er uns lange begleiten.

Rüdiger Fischer, Magdeburg