Wenn dieser Tisch ein Mensch wäre, dann würde ich ihn gerne kennenlernen. Er wäre eine Frau, dieser Tisch, denn der Name ist Diana. Sie wäre schön, diese Diana, und zwar auf eine kompromisslose Art, die nicht jeder sofort versteht - sie hätte ein großes Selbstbewusstsein, das man auch mit Arroganz verwechseln könnte, und wäre dabei doch so offen und empfänglich, wie es alle die nicht sind, die sich selbst für sensibel halten - sie hätte viele Bewunderer, diese Diana, aber nur wenige Freunde - sie wäre etwas kompliziert, das mag sein, aber lieber das als langweilig. Sie wäre auf eine Art und Weise sexy, die man als zeitgenössische Dekadenz beschreiben könnte.

Der Designer Konstantin Grcic hat diesen Tisch entworfen, einen Beistelltisch, könnte man sagen, wenn einem das Wort Couchtisch zu altmodisch ist: aus Metall, scharfe Kanten, zerklüftetes Material, viele Schrägen, viele Rätsel, ein schwieriger Tisch in schönen Farben und ein Tisch, der all das infrage stellt, was ein Tisch sein kann oder sein soll. Grcic hat noch mehr solche Möbel gebaut, einen Stuhl etwa aus einem wüsten Metallgestänge, dessen Fuß ein schweres Betonfass ist, das an eine Hafenmole erinnert, irgendwo in Portugal, an die das müde Meer klatscht und klatscht und wieder klatscht - oder dieser metallene Esstisch, der eigentlich lieber etwas anderes wäre, der ständig wegwill, so scheint es, zu einer Vernissage zum Beispiel, wo er ein Kunstwerk sein dürfte, eine Skulptur, etwas anderes jedenfalls als bloß ein Tisch, an den sich Leute setzen und reden und essen und lachen.

Es ist dabei nicht so, dass sie sich schämten dafür, Möbel zu sein - sie sind nur Möbel und gleichzeitig auch etwas anderes. Und passen damit gut in eine Zeit, für die Grcic, dieser 42 Jahre alte Designer aus München, der perfekte Formengeber ist. Wenn man etwa Diana nimmt, den es in fünf Varianten gibt, dann hat dieser Couchtisch eine klare Botschaft: Ich will mich nicht so einrichten, wie man es von mir erwartet oder wie man es von anderen kennt. Diana ist wie eine Entschuldigung dafür, überhaupt an so etwas wie einen Couchtisch zu denken.

Was das alles über unsere Zeit sagt? Es gibt einen Kampf der Formen und der Funktionen. Nichts ist nur das, was es bedeutet. Nichts ist bestimmbar. Alles kann dies sein und das, alles ist hybrid. Und Konstantin Grcic nun hat aus diesem Kampf Möbel gemacht. Er ist der Designer fürs Hybrid-Bürgertum.

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