Das Ritual ist stets das gleiche. Wird Kritik an der niedrigen deutschen Akademikerquote laut, kontern Bildungspolitiker mit dem Hinweis auf die vorbildliche Berufsausbildung. Tatsächlich lernen Chemielaboranten oder technische Zeichner ihr Handwerk anders als im Ausland hierzulande nicht an einer Universität, sondern in einem Unternehmen (mit begleitenden Kursen an einer Berufsschule).

Überzeugender wäre das Argument jedoch, würden Hochschulen und duale Berufsausbildung besser kooperieren.

Genau dies fordert jetzt der Innovationskreis Berufliche Bildung, in dem Gewerkschaften wie Arbeitgeber sitzen. Bislang schotten sich beide Ausbildungssysteme gegeneinander ab. Besonders die Hochschulen zeigen sich wählerisch. Wer kein Abitur hat, muss in der Regel einen Meistertitel und mehrere Jahre Berufspraxis mitbringen, um studieren zu dürfen. Selbst dann nützt ihm seine berufliche Erfahrung wenig.

Statt dass die Hochschulen den Profis gewisse Kurse anrechnen, verpflichten sie diese zum vollen Studienprogramm. Dieser Unsinn bewirkt Leerlauf. Ein technischer Zeichner belegt an der Uni Grundkurse in technischem Zeichnen, ein ehemaliger Filialleiter einer Bank übt Finanzbuchhaltung.

Es ist richtig, ausländischen Fachkräften den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern, wie Bundesbildungsministerin Annette Schavan fordert. Den zukünftigen Mangel an Ingenieuren oder Naturwissenschaftlern wird der Intelligenzimport jedoch niemals ausgleichen. Langfristig muss Deutschland die Zahl wissenschaftlich ausgebildeter Experten aus eigener Kraft erhöhen. Gute Absolventen der dualen Berufsausbildung können dabei helfen.