Die erzählerische Ökonomie, als deren Meister sich Ford vor allem in seinen wunderbaren Kurzgeschichten zeigt, hat ihn hier nicht selten verlassen. Gegen Ende des Romans taucht plötzlich eine gewisse Bernice auf, eine hübsche Kellnerin, mit der unser armer Frank offenbar eine verheißungsvolle Nahezu-Affäre hatte. Verlassen von allen, die ihm lieb sind, steuert er die betreffende Kneipe an, erinnert sich in größter Ausführlichkeit seiner Begegnungen mit Bernice, malt sich die schönsten Möglichkeiten aus, aber dann ist die Kneipe geschlossen. Aus. Wir hätten gern mehr darüber erfahren, zumal Franks Trauer über den Weggang Sallys nun in einem etwas anderen Licht erscheint. Hat er sich ohne unser Wissen anderweitig getröstet?

In diesem Buch wirkt Ford wie gedopt. Er stapelt mit geradezu wütender Kraft immer neue Geschichten aufeinander. Es scheint, als hätte er seinen grandiosen Unabhängigkeitstag überbieten wollen, indem er die »Lage des Landes«, also die betrüblichen Veränderungen Amerikas in den betrüblichen Veränderungen seines Helden zu spiegeln versuchte (und umgekehrt), um dazu noch die gewaltigen Themen Liebe und Tod ebenso ernsthaft wie gelassen, zugleich aber zugespitzt ins Beispielhafte auf einem mittleren Immobilienmakler abzuladen. Das geht nicht gut, und so liest man den Roman mit äußerst gemischten Gefühlen, zeitweise gelangweilt durch seine besessene Ausführlichkeit, dann wieder begeistert von den Binnenerzählungen, wo sich Fords Einfallsreichtum und seine Fähigkeit zur sprechenden Szene aufs Schönste zeigen. Alles in allem: leider kein gelungenes Buch. Und dennoch eines, das aus dem Durchschnitt deutlich herausragt.

Den zwischen allen Sprachebenen hin und her springenden Roman zu übersetzen, hier den Maklerjargon oder den Herrenwitz und dort die pathetisch gehobene, aber philosophisch schlingernde Rede zu treffen, war eine große Herausforderung für den Übersetzer. Frank Heibert hat ihr glanzvoll entsprochen.