DIE ZEIT: Was halten Sie von den Überlegungen, wonach die deutschen Firmen vor Übernahmen durch Staatsfonds aus China oder Russland geschützt werden müssten?

Friedrich von Metzler: Die Diskussion ist alt. Sie wurde in den siebziger Jahren geführt, als sich die Kuwaiter an Daimler beteiligt haben oder die Saudis an Thyssen. Bislang sind die Unternehmen damit blendend gefahren. Wir müssen uns hüten, protektionistisch zu werden.

Dennoch gibt es immer mal ein Schlüsselunternehmen, wo der Staat das Recht haben muss, Nein zu sagen.

ZEIT: Die arabischen Investoren wollten und wollen ihre Petrodollars recyceln und sicher anlegen. Haben wir es in Russland und in China nicht mit Staatskapitalisten zu tun, die auch politische Interessen verfolgen?

von Metzler: Ich glaube, die Welt entwickelt sich sehr viel besser, wenn man sehr wenige Bremsen einbaut. Die enge Zusammenarbeit etwa zwischen BASF und Gasprom ist positiv. Auch solche Investoren wollen das investierte Geld nicht verlieren. Das Allergefährlichste ist die Abschottung. Bei einigen militärischen oder strategischen Unternehmen sollte der Staat vielleicht ein Mitspracherecht besitzen, wenn es zu Übernahmen kommt.

ZEIT: Kann man nicht eine Regel aufstellen, dass Staaten maximal 20 Prozent an deutschen Firmen besitzen dürfen?

von Metzler: Ich finde generelle Regeln gefährlich. Die Politik muss sich den Einzelfall ansehen. Auch wenn dann mal der eine gerecht und der andere ungerecht behandelt wird. Es gibt keine absolute Gerechtigkeit. Im Gegenteil: Das Streben nach absoluter Gerechtigkeit führt in den meisten Fällen zur Ungerechtigkeit.

ZEIT: Welchen der neuen Vorschläge zur Mitarbeiterbeteiligung unterstützen Sie? Den Deutschlandfonds der SPD oder den Ansatz auf Unternehmensebene der CDU?

von Metzler: Die Politik sollte das langfristige Sparen in Aktien zur Altersvorsorge und zum Vermögensaufbau steuerlich unterstützen. Mit den sogenannten 401-K-Plänen in den USA gibt es eine effiziente Vorlage. Ich möchte nicht, dass sich der Staat als Überfondsmanager aufspielt. Das ist nicht seine Aufgabe. Der Mitarbeiter soll nicht zu stark am eigenen Unternehmen beteiligt sein - da ist das Risiko für ihn zu groß. Daraus entstünde eine doppelte Abhängigkeit. Geht eine Firma Pleite, verliert der Arbeitnehmer seinen Job. Dann sollte er nicht auch noch sein Erspartes verlieren. Daher lehne ich den Vorschlag der CDU kategorisch ab. Aber die Idee des Deutschlandsfonds, der zwar dieses Risiko meidet, gefällt mir auch nicht.