Pakistan hat 100 Atombomben und Tausende islamistische Fanatiker. Das ist der richtige Mix, um den Weltuntergang auszulösen. Ein verrückter Bärtiger mit dem Finger am roten Knopf genügt, und schon muss sich kein Mensch mehr Sorgen um die Klimaerwärmung machen. Pakistan ist zugleich Amerikas wichtigster asiatischer Verbündeter im Kampf gegen den Terror. Ohne Pakistan kein Frieden in Afghanistan. Ohne Frieden in Afghanistan eine fortdauernde terroristische Bedrohung für den gesamten Westen. Pakistan, das ist das Pulverfass der Weltpolitik.

Ein General aber hält den Deckel auf brandgefährliche Bomben und überschäumende Islamisten. Pervez Musharraf ist mit eiserner Hand gegen die Brüder Ghazi und ihre Schüler vorgegangen. Die Ghazis sind Fundamentalisten. Sie fordern die Einführung der Scharia und befürworten Selbstmordattentate in Afghanistan. Ihre Rote Moschee im Zentrum Islamabads hatten sie systematisch zu einem Brückenkopf der Taliban ausgebaut. Die Armee hat ihn nun weggesprengt. Musharraf will so Pakistan vor den Extremisten retten.

So lautet die Lesart des Generals. Sie soll beruhigend klingen. Doch leider stimmt sie nicht. Denn Musharraf ist mitverantwortlich für die fortschreitende Talibanisierung Pakistans. Seit er sich nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf die Seite der Vereinigten Staaten geschlagen hat, breitet sich der islamische Extremismus in seinem Land aus. Musharrafs Regime ist kein Bollwerk gegen den Extremismus. Der Kampf um die Rote Moschee ist dafür nur der letzte Beweis.

Ohne die Armee nämlich ist der Aufstieg der Brüder Ghazi und des islamistischen Extremismus nicht zu erklären. Ob die Taliban in Afghanistan oder die Bombenleger im indischen Kaschmir sie sind von den Generälen gefördert worden, wann immer es ihnen nützlich erschien.

Seit dem 11. September 2001 dienen die Extremisten dazu, dem Westen vorzugaukeln, ohne die Generäle kämen die Bärtigen an die Macht. Die Brüder Ghazi hatten bis vor wenigen Tagen freie Bühne. Das wäre ohne den Willen der Machthaber nicht möglich gewesen. Die Rote Moschee im Herzen der Hauptstadt überblendete sehr wirkungsvoll die Tatsache, dass religiöse Parteien in Pakistan nie mehr als zwölf Prozent der Stimmen geholt hatten.

Der Kampf um die Moschee drängte auch eine für Musharraf viel ernstere Gefahr in den Hintergrund: die seit Monaten andauernden Massenproteste säkularer Bürger gegen die willkürliche Absetzung des Obersten Richters Iftikar Chaudry. Die Generäle sind Putschisten und leiden daher unter Legitimationsmangel. Die Islamisten können ihnen zumindest den Anschein von Legitimation unter den Massen verschaffen. Religion als Ersatz für Demokratie. Das war und ist das Spiel der Autokraten.

Doch es geht jetzt nicht mehr auf.