Portemonnaie heißt: Geldträger, na gut: Kleingeldträger. Früher hatte eine Frau, die was auf sich hielt, für diesen Job bestimmt galeerenarbeiterartige Männer, die Säcke voller Münzen schleppten und ordentlich nach Schweiß rochen. Dann kam das Papiergeld, die Galeerenarbeiter wurden durch Portemonnaies ersetzt. Es muss die Zeit gewesen sein, aus der das Sprichwort stammt: Geld stinkt nicht.

Etliche Hundert Jahre später gab es in der Kulturgeschichte des Portemonnaies eine Phase, da hatten die Frauen, die was auf sich hielten, kleine Beutelchen mit Schnappverschluss, in die nur reinpasste, was der Ehemann ihnen zuteilte, Scheine musste man knicken. Aus emanzipatorischer Sicht war das Beutelportemonnaie ein evolutionärer Unfall. Diese Klappdinger, das ist uns auf der heutigen höheren Entwicklungsstufe der Portemonnaiegeschichte klar, sind klein und spießig und zementieren die geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede. Das hätten die Männer vielleicht gern: dass unser Leben sich in einem kleinen Lederetui verstauen lässt, mit einem Klarsichtfenster fürs Familienfoto. Klappportemonnaies sind was für Frauen, die sich mit einem unscheinbaren Leben zufriedengeben, für das man keine Kreditkarten braucht und das wenige Notizzettel produziert.

Die Frau von heute will eine Geldbörse mit Platz. Für Kunden-, Kredit-, Visiten-, Fahr- und Bonuskarten, für Bewirtungsbelege, Fahrzeugpapiere, Tankquittungen, für Nicht-vergessen-Zettelchen, die Stundenpläne der Kinder, vielleicht fürs Familienfoto.

Portemonnaies, die so viel Platz haben, tragen den wunderbaren Namen Kellnerbörse. Sie sind die schicke Weiterentwicklung jener ziehharmonikaartigen Taschen, die Bardamen zum Kassieren benutzen.

Kellnerbörse klingt nach Studentenleben und Aushilfsjob - ich habe mich bei der Vorstellung, Besitzerin einer Kellnerbörse zu sein, gleich viel jünger gefühlt. Das für mich ideale Modell ist die PK3 von der Ledermanufaktur Volker Lang, so praktisch wie elegant. Blutrot, aus Kalbsleder in Vintage-Prägung, mit vielen Fächern und vor allem mit einem dreifach verstellbaren Verschluss, sodass man die Börse ganz groß machen kann. Dann passt sogar ein Handy rein. Und natürlich auch viel mehr Geld als in jedes Männerportemonnaie.

Nächste Woche: Warum man einen dicken Bauch braucht, um Männerhemden tragen zu können