Bislang hatte noch jeder gestürzte SPD-Kanzler "sein" Buch. Auf Willy Brandts Demission folgte Arnulf Barings zeitgeschichtliche Studie Machtwechsel, während Klaus Bölling Die letzten 30 Tage des Kanzlers Helmut Schmidt beschrieb. Gerhard Hofmanns Dokumentation über die Medienkampagnen in der Endphase von Rot-Grün nähert sich Schröders Kanzlersturz mit einer Mischung aus Konspirationsverdacht und Kollegenschelte.

Der TV-Journalist hat in minutiöser Kleinarbeit die Dramaturgien der Medienmacher und Meinungsumfrager beim Niedergang der rot-grünen Bundesregierung festgehalten. Sein Tagebuch beginnt am 22. Mai 2005, an dem Abend der NRW-Wahlen, als Schröder und Müntefering mit ihrem Neuwahlbegehren die Flucht nach vorn antraten. Hernach konstatiert Hofmann in den Medien ein flügelübergreifendes Rot-Grün-Bashing und massenhaft Versuche, Schwarz-Gelb herbeizuschreiben.

Die Skala der attackierten Journaille reicht vom stern-Mann Hans-Ulrich Jörges, der an eindeutigen Zuschauervoten vorbei die Kandidatin Merkel nach dem TV-Duell mit Schröder zur klaren Siegerin erklärte, bis zum FAZ-Feuilletonchef Frank Schirrmacher, der Schröder nach seinem "suboptimalen" TV-Auftritt am Wahlabend des 18. September "eine autoritäre Überhöhung der eigenen Rolle und Mission" vorwarf.

Immerhin wird Gesine Schwan als seriöse Kronzeugin aufgeführt für den Ausspruch eines Spiegel-Redakteurs: "Wir haben beschlossen, dass Rot-Grün wegmuss". Solche Wichtigtuereien, wie sie unter Hauptstadtschreibern üblich sind, taugen freilich kaum zur Erhärtung eines Konspirationsverdachts.

Hofmann ist eher das gewiss unfaire Spiel mancher Medienvertreter ein Dorn im Auge: das Katastrophengeschrei von Diekmanns Bild bis Austs Spiegel, Deutschland befinde sich unter Rot-Grün "im freien Fall", vor dem Eintritt in eine "Bananenrepublik" oder auf "direktem Weg in den Abgrund", so der damalige Welt-Chefredakteur Koeppel.

Verlag und Autor hätten sich den Verschwörungsbefund im reißerischen Titel schenken können, denn im Text werden weder kartellartige Absprachen noch konzertierte Aktionen genannt. Eher habe es sich um "eine Mischung aus Absicht und Zufall" gehandelt, um ein Bündel von Motiven aus Auflagenmacherei, fetzigem Aktionismus, Talkshowgeilheit, oder politisch, aus notorischer Abneigung gegen Alt-68er an der Macht oder tiefer Enttäuschung über deren bescheidene Regierungsbilanz.

Kollegenschelten sind selten unproblematisch. Für seinen Rollenwechsel vom teilnehmenden Berichterstatter zum Ankläger seiner Zunft wird sich Gerhard Hofmann im Gegenzug wohl an seine einstige Nähe zu Schröders Kanzleramt erinnern lassen müssen. Dennoch trifft der Korrespondent von RTL und n-tv generell einen wichtigen Punkt die wachsende journalistische Neigung, sich selbst als Teil der Politik zu erhöhen, sich in epochaler Prophetenpose zu gefallen oder sich von der Tribüne aus in Gauklermanier unters Volk zu mischen.