Viele Regierungschefs der EU schauten Anfang der Woche hoffnungsvoll nach Warschau: eine Regierungskrise! Endlich! Jarosaw Kaczyski hatte seinen Agrarminister Andrzej Lepper, Chef der Bauernpartei, entlassen.

Wegen Korruptionsverdacht. Der drohte sogleich: Wenn er gehen müsse, folge seine Partei. Das wäre nach zwei langen Kaczyski-Jahren das Ende für die Regierung und ein neuer Anfang für Polen in Europa gewesen. " Quadratwurzel oder Tod" wäre vergessen.

Zu früh gehofft: Schon einen Tag später gab Lepper nach. Seine Partei bleibe vorerst in der Koalition, auch ohne ihn als Minister. Leppers Stimmungswandel ist leicht erklärt. Premier Jarosaw Kaczyski hatte mit Neuwahlen gedroht. Und davor müssen sich vor allem die beiden kleinen Regierungsparteien hüten: Leppers Bauernpartei und die Liga Polnischer Familien würden es laut Umfragen nicht mehr ins Parlament schaffen. Und auch die Kaczyski-Partei würde an Stimmen verlieren.

Das wissen alle drei, und so bleibt alles beim Alten. Sie streiten, sie drohen, sie raufen sich zusammen.

Schon einmal stand die Koalition auf der Kippe: Als ein Mitarbeiter des Premiers versuchte, eine Abgeordnete der Bauernpartei zu bestechen, ließ diese alles filmen. Ein Skandal. Auch damals drohte Lepper mit Koalitionsbruch, auch damals hielt Kaczyski mit Neuwahlen dagegen. Die Bauernpartei trat dann aus der Regierung aus, nur um nach kurzer Zeit kleinlaut wieder zurückzukehren. Ihr Schicksal haben ja alle Regierenden vor Augen: Keine Neuwahlen, sonst Tod!