»Recht haben und recht bekommen sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe«, sagt Versicherungsombudsmann Wolfgang Römer. Schon etliche Male standen die Beispielrechnungen der Versicherer und die Immobilienfinanzierungen aus Kredit und Lebensversicherung auf dem Prüfstand – mit stark schwankenden Resultaten. Theoretisch könnten die Vermittler zur Rechenschaft gezogen werden, so der ehemalige Richter Römer: »Wenn der Versicherer weiß, dass eine Lebensversicherung zur Abdeckung eines Darlehens benötigt wird, und im Laufe der Zeit sieht, dass die Summe nicht reicht, ist er verpflichtet, den Kunden darauf aufmerksam zu machen.« Sonst handelt er schuldhaft. Die Kunden haben also Ansprüche, diese lassen sich aber nur schwer durchsetzen. Es gibt zwar Urteile, die Kunden gegen Unternehmen erwirkt haben, »aber die sind sehr speziell«, sagt Verbraucherschutzexperte Arno Gottschalk. In Summe urteilen die Gerichte sehr unterschiedlich.

Der Bundesgerichtshof (BGH vom 9.3.1989) entschied, dass die Bank einen Kreditbewerber in der Regel nicht darauf hinweisen muss, wenn sie die Zweckmäßigkeit einer bestimmten Kreditart anzweifelt. Außer es handelt sich um ein Kombiprodukt aus Kredit und Lebensversicherung. Ist dieses ungünstiger als ein Ratenkredit, muss die Bank »nach Treu und Glauben« darüber aufklären. In die gleiche Richtung ging ein weiteres BGH-Urteil (vom 3.4.1990): Bei schwer durchschaubaren Finanzierungen – und um eine solche handelt es sich in diesen Fällen der Immobilienfinanzierung – seien dem Kunden die Risiken genau aufzuschlüsseln. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm entschied wiederum 1996 (Az.: 31 U 25/96), dass ein Kreditinstitut den Kunden bei einer Beratung über alle alternativen Finanzierungsarten aufklären müsse.

Laut Urteil des OLG Karlsruhe (Az.: 15 U 8/02) aus dem Jahr 2003 muss der Kunde nicht immer die Unterdeckung tragen. Im betreffenden Fall blieb die Bank auf der Restschuld sitzen: Sei die Auszahlung niedriger als die Darlehenssumme, begründete das Gericht, könne die Bank nur dann vom Kunden verlangen, dass er die Differenz nachschießt, wenn sich das eindeutig aus dem Darlehensvertrag ergebe. »In diesem speziellen Fall stand im Vertrag: Der Kredit wird durch die Auszahlung aus der Versicherung abgelöst. Punkt«, sagt Verbraucherschützer Gottschalk, »in allen anderen aber steht: Der Kunde muss nachzahlen, wenn es nicht ausreicht.«

Schon im Jahr 2000 befand das OLG Düsseldorf (Az.: 4 U 139/99): Hat ein Versicherer mit völlig überzogenen Gewinnanteilen gerechnet, kann der Versicherungsnehmer den Vertrag kündigen und Schadenersatz verlangen. Dagegen sprach das OLG Stuttgart 2004 der Versicherungsseite Recht zu (Az.: 7 U 121/04). Mit der Standmitteilung, also dem jährlichen Schreiben an den Versicherungsnehmer, käme das Unternehmen nur seiner Informationspflicht nach. Die darin enthaltene Prognose sei kein »konstitutives Schuldanerkenntnis«. Nadine Oberhuber