Warum gelingt es den besten Streitkräften der Welt nicht, sich gegen Hisbollah, »al-Qaida von Mesopotamien« und andere Dschihadisten durchzusetzen? Die beste Antwort ist zugleich die älteste. Die Mutter aller asymmetrischen Schlachten findet sich bereits in der Bibel (Buch Samuel 1):

»Da trat aus den Reihen der Philister ein Riese heraus mit Namen Goliath. Das Gewicht seines Panzers war fünftausend Lot Erz. Und die eiserne Spitze seines Spießes wog sechshundert Lot.«

»David aber sprach zu dem Philister: Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Spieß, aber ich komme zu dir im Namen des HERRN.«

»Und als sich nun der Philister aufmachte und daherging, lief David eilends dem Philister entgegen. Und David tat seine Hand in die Hirtentasche und nahm einen Stein daraus und traf den Philister an die Stirn, dass der Stein in seine Stirn fuhr und er zur Erde fiel auf sein Angesicht.«

An diese Geschichte zu erinnern bedeutet nicht, David mit einem heutigen Selbstmordattentäter oder Autobomber gleichzusetzen. Es geht vielmehr darum, drei klassische Merkmale asymmetrischer Kriegführung herauszuarbeiten, an denen sich seit jenen mythischen Zeiten wenig geändert hat. Das erste sind primitive, billige Waffen – Steine –, die hochmoderne Systeme schlagen: teure Rüstungen und eiserne Hightech-Speerspitzen, die gegenüber den Bronzewaffen der Israeliten im klaren Vorteil waren. Zweitens die taktische Überrumpelung: David »eilte dem Philister entgegen« und ergriff so die Initiative. Das dritte Merkmal ist die Ideologie als Kraftverstärker, also: »Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Spieß, aber ich komme zu dir im Namen des HERRN«.

Die Begriffe auszutauschen hilft, die Aufstandsphase des Irakkrieges seit Ende 2003 zu verstehen. Diesmal geht es um Straßen- und Autobomben gegen Präzisionsmunition, Satelliten und network-centric warfare. Kleine irreguläre Einheiten gegen Bataillone und Brigaden. Die Taktik nutzt Zerstreuung und Überraschung, um den »Himmelsaugen« und Abstandswaffen die Ziele zu rauben. Der Feind verbirgt sich in der Zivilbevölkerung, die Tarnung und Schutz gewährt. Und wieder die Ideologie als mentaler Kräfteverstärker, die den todesverachtenden Glauben verleiht, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.