Im nächsten Jahr begeht die Stadt Oldenburg in Niedersachsen ihr 900-jähriges Jubiläum. Einem hartnäckigen Historiker verdankt sie es, dass nicht auf einem Parkplatz gefeiert werden muss.

1108 wird Oldenburg erstmals erwähnt, eher beiläufig und bereits als "Aldenburg", obwohl die gräfliche Burg, Vorgängerbau des heutigen Schlosses, noch im Bau war. Es muss also eine noch ältere Burg gegeben haben. Die wurde jetzt in einem entstehenden Gewerbegebiet entdeckt, auf einer 29 Hektar großen Fläche am Osthafen, das verkehrsgünstig 2,5 Kilometer von der Innenstadt entfernt liegt. Das Grundstück wurde verkauft, Anfang 2007 begann der Investor mit Bauarbeiten. Er plante, das ganze Areal zu planieren und mit Sand aufzuschütten, um darauf Fundamente gründen zu können. Das wäre wohl auch geschehen, hätte die Nachricht vom Baubeginn nicht einen Historiker alarmiert.

Martin Teller ist Experte für Siedlungsgeschichte; einer, der den Staub der Archive nicht scheut und viele Aktenstücke wälzt, ehe er darauf seine Meinung gründet. Solch akribische Beharrlichkeit ist selten im Zeitalter von Bachelorstudiengängen und Bologna-Punkten. Er bezeichnet sich selbst als "Privathistoriker", womit er seine derzeitige Stellungslosigkeit beschreibt. Durch seine Studien zur Landesgeschichte, die er auch auf der eigenen Homepage stadt-land-oldenburg.de publiziert, wusste er, was anderen Experten nicht mehr bekannt war: Am Rande des Bebauungsgebietes befinden sich die Reste des "Heidenwalls", einer frühmittelalterlichen Burganlage.

Im Januar machte er sein Wissen publik. Mit derselben Ausdauer, mit der er sich sonst alten Schriftstücken und historischen Karten widmet, wandte er sich an die Verantwortlichen in Wissenschaft, Stadt- und Landespolitik. Ungewohntes Neuland für den Historiker, auf dem er sich zuweilen unbeholfen bewegte. Und trotzdem wurde er den Stadtherren unbequem. Denn denen lag viel an der Gewerbeansiedlung, unter der das Bodendenkmal für immer verschwunden wäre.

Ein 700 Jahre alter Deich war im Zug der Arbeiten bereits weggebaggert worden. Bauarbeiter sagten später, die Deicherde sei mit alten Ziegelsteinen "kontaminiert" gewesen, was Mehrarbeit und -kosten verursacht habe.

Seit Januar hat Teller "sich den Mund fusselig geredet und die Finger wundgetippt", wie er selbst sagt. Er sei "gehörig auf die Nerven gegangen", sagen andere nun durchaus anerkennend. Teller hatte schließlich Erfolg. Am 10. Mai lud man ihn zu einem Gespräch mit Bezirksarchäologen und Vertretern der Stadt. Oldenburg hatte damals eine Vakanz: Der ehemalige Bezirksarchäologe Dr.Eckert war seit Ende Januar im Ruhestand. Seine Nachfolgerin Dr.Jana Esther Fries trat ihr Amt erst im Juli an. Eckert kennt die Gegend und ihre Überlieferungen seit mehr als 20 Jahren. Er ahnte, dass möglicherweise eine Sensation im Boden schlummerte. Doch niemand vor Ort war weisungsbefugt. Trotzdem zog der Grabungstechniker Gerhard Stahn am 23.Mai den ersten, am 25.Mai den zweiten Suchgraben. Darin entdeckte er symmetrische Wallprofile. Ein spektakulärer Fund.