Der Film heißt Höllentour, und er zeigt in einer Szene, wie ein französisches Dorf die Tour de France zelebriert: Ein Tisch wird gedeckt, ein Fernseher ins Freie getragen, die Großväter nehmen zuerst Platz, bald feiert das ganze Dorf. Die Tour, sagt ein Beobachter im Film, sei ein Ereignis, bei dem die Helden zum kleinen Mann nach Hause kommen. Die Helden in diesem Film sind die beiden Radrennfahrer Erik Zabel und Rolf Aldag. Regisseur Pepe Danquart kam ihnen sehr nahe, er filmte, wie sie auf der Massagebank litten, er war mit ihnen im Mannschaftsbus und im Hotelzimmer, das sich die beiden damals teilten. Das war bei der Tour 2003. Im Mai 2007 teilten sich die beiden einen Presseraum, um der Welt zu erklären, dass sie einst gedopt hatten.

Auf der Homepage des Regisseurs steht noch immer der Satz: "Die Tour de France ist mehr als nur ein Radrennen. Sie ist Mythos, Legende, Phänomen – vor allem aber ein Ereignis, auf das man sich jedes Jahr aufs Neue freut." Vor zwei Wochen trafen wir uns zum ersten Mal. Der Regisseur, 52 Jahre alt, saß in einem Café in Berlin-Mitte, er ragte mit Baseballmütze und Kinnbärtchen aus der Menge der Anzugträger und Glattrasierten heraus. Er vertrat eine Meinung, die sich bis zu dem Tag, da einer der Favoriten, Alexander Winokurow, des Dopings überführt ist, noch ändern würde.

Zwei Wochen zuvor plädierte er noch dafür, dass die Welt den Fahrern dieser Tour vertrauen müsse. Schließlich seien es die Sportler gewesen, die den ersten Schritt getan und gestanden hatten (dass es zuvor zum Beispiel Blutbeutel gab, welche die Polizei fand, lässt er unerwähnt). Er sagte: "Warum kann keiner die Größe haben, zu glauben, dass niemand mehr dopt?"

Er verteidigte die Tour. Er beklagte, die gedopten Radfahrer seien Opfer einer Gesellschaft, die Helden entweder feiern oder fallen sehen wolle. "Ist all das, was Erik diesem Land gegeben hat an Freude, an Kraft, an Inspiration, nichtig, nur weil er einmal geschwächelt hat?" Seine Verteidigung endete so: "Sie sind nach wie vor Helden!"

Es war Pepe Danquart wichtig, festzuhalten, dass seine beiden Protagonisten im Jahr 2003, als er den Film drehte, gerade nicht mehr dopten. Er glaubte, das hätte er bemerken müssen. Und weil sie bei "seiner" Tour nicht dopten, fühlt er sich auch nicht betrogen. Wenn er so redet, dann hat er etwas von einem Ehemann, der nach dem Fehltritt seiner Frau sagt: Es war ja nur das eine Mal, und das ist lange her.

Als er vom Geständnis seiner beiden Protagonisten erfuhr – Zabel gab zu, 1996 Epo gespritzt zu haben, Aldag nahm das Mittel von 1995 bis 2002 –, sagt Pepe Danquart, habe er "gestaunt". Aber nur eine Weile. Dann, sagt er, dachte er nach und hatte sehr bald Verständnis für die Vergehen. Wo es doch anscheinend fast alle getan hatten. Wo es doch darum gegangen war mitzuhalten. Wo es zumindest bei Zabel doch bei dem einen Mal geblieben sei. Er empfand Respekt vor dem Geständnis.